Gartenkunst

Gartenkunst geht über die Nutzbarmachung von Land hinaus zur ästhetischen Gestaltung - sie ist die Verbindung von gärtnerischer Arbeit und künstlerischer Kreativität


Donnerstag, 31. Januar 2013

TV - Empfehlung Landträume

Liebe Freunde der Gartenkunst,

heute nur ein ganz kurzer Eintrag. Hier der Link zu der sehr schönen Serie "Landträume", die zu Zeit in Arte gezeigt wird. Über den Link kann man die Folgen in der Mediathek ansehen.

Viel Freude beim Anschauen!

Sonntag, 20. Januar 2013

Gertrude Jekyll


"Wenn etwas wert ist getan zu werden, ist es wert, gut getan zu werden"
Über Gertrude Jekyll wird gesagt, sie habe England mehr verändert als jeder andere außer Gott selbst und vielleicht der berühmte Gartenarchitekt Capability Brown. Diesen Ruf erreichte sie nicht nur mit ihren Gartenentwürfen - sie plante über 400 Gärten - sondern auch durch ihre literarische Arbeit. 1881 schrieb sie den ersten von über 1000 Artikeln über Gartengestaltung und Pflanzenanwendung, viele Jahre arbeitete sie für die Zeitschrift "The Garden", zusätzlich schrieb sie 13 Bücher.
Geboren wurde die große Lady der Gartenwelt 1843 in London. Als sie fünf Jahre alt war zog ihre Familie nach Brambley, im Alter von siebzehn Jahren ging sie 1861 nach London zurück und besuchte die "School of Art" in Kensington, wo sie Kunst und Design studierte. Die begabte junge Frau liebte vor allem die Malerei, befasste sich aber auch mit verschiedenen kunsthandwerlichen Techniken wie der Holzschnitzerei, Stickerei, der Kunst des Silberschmiedens und der Fotografie.
Zu Jekylls Zeit wurden Blumenbeete als "Teppichbeete" angelegt - einjährige Blütenpflanzen wurden nach Art der französischen formalen Gärten wie in Tapisserien mehr oder weniger kunstvoll in sorgfältig arrangierten Mustern gepflanzt. Gertrude Jekyll hingegen plante und pflanzte Stauden in harmonischen Farbtönen als natürlich wirkende Zusammenstellung.

Strode House, Barrington Court from the Garden - geograph.org.uk,Neil Kennedy [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons


"The love of gardening is a seed that once sown never dies, but always grows and grows to an enduring and ever-increasing source of happiness." (Gertrude Jekyll, - Wood and Garden: Notes and Thoughts, Practical and Critical, of a Working Amateur, Longmans, Green and Co., London, 1899. S. 2 Internet Archive
Zurück in Surrey legte Gertrude Jekyll den Garten des elterlichen Anwesens Munstead House an, 1883 erwarb sie gleich in der Nähe ein Stück Land - Munstead Wood, wo sie einen Garten von legendärer Schönheit schuf.
Die englische Gartenszene der Zeit war bestimmt von der Auseinandersetzung zwischen William Robinson, ein geradezu fanatischer Anhänger von natürlichen Gärten mit Wildpflanzen und Stauden und Reginald Blomfield, einem Verfechter der formalen Gärten. Ihre Auseinandersetzung führten sie mit gegenseitigen Sticheleien in ihren Büchern. 1892 erschien Blomfields "The Formal Garden in England", 1893 "The English Flower Garden" von Robinson, ein halbes Jahr später konterte er mit  "Garden Design and Architct´s Garden" Blomfields Werk, der wiederum drei Monate später in einer Neuauflage seines Werks Robinsons Thesen lächerlich machte.
"Gertude Jekylls wertvollster Beitrag zur Gartengestaltung besteht darin, dass sie diese Spaltung von planerischem und gärtnerischem Wirken ganz entschieden als verrückten Blödsinn enttarnte. Sie machte deutlich, dass Gartengestaltung nicht Suche nach einem theoretischen Stil, losgelöst von prosaischen Tätigkeiten wie Umgraben, Anstäben und Ausbrechen welker Blüten sein kann, sondern Schönheit und Harmonie bedeutet, die es mit aller nur verfügbaren Kraft, Geduld und Geschicklichkeit anzustreben gilt. In einer Epoche verbaler Gefechte verstand sie sich auf jene Zweisprachigkeit, die sowohl dem Künstlerischen als auch dem Gärtnerischen gerecht wurde" schreibt Richard Bisgrove in seinem Werk "Die Gärten der Gertrude Jekyll"(siehe Buchempfehlung).
1889 begegnete Gertude Jekyll dem jungen Architekten Edwin Lutyens, der ihr Haus in Munstead Wood entwarf und perfekt in den schon bestehenden Garten integrierte. Die Gartenplanerin, die sich selbst bescheiden "Gärtnerin" nannte und der Architekt wurden enge Freunde und ein geniales Arbeitsteam. Ein Meisterwerk schufen sie zusammen mit "The Deanery" in Berkhsire. Der Auftraggeber Edward Hudson, Verleger von "Country Life" veröffentliche das Werk und zeigte seiner Leserschaft die gelungene Einheit von Haus und Garten.
Ich zitiere nochmals Richard Bisgrove: "The Deanery ist ein Meisterwerk vornehmer Zurückhaltung. Sanfte Niveau-Unterschiede gliedern die einzelnen Bereiche, die durch kompakte Eibengruppen, Pergolapfeiler und mit halbrunden Ziegeln gedecktes durchbrochenes Mauerwerk von einander getrennt sind. Die baulichen Elemente sind bis ins Detail ausgefeilt, werden aber durch Gertrude Jekylls einfühlsame Bepflanzung noch abgerundet. Stets wusste sie die Pflanzen so einzusetzen, dass sie die Wirkung des Gartens steigerten, niemals aber erdrückten. Christopher Hussey schrieb in seiner Biographie über Lutyens, mit diesem Garten sei der ideologische Kampf beigelegt worden, den die beiden Protagonisten Blomfield und Robinson so lange über die Unvereinbarkeit von formalem und naturnahen Garten geführt hätten. Gertrude Jekylls harmonische Bepflanzung habe sich mir Lutyens' geometrischen Strukturen zu einer ausgewogenen Synthese verbunden".
1897 erhielt Gertrude Jekyll die königliche Gartenbaumedaille Victoria Medal of Honour.     

Gertrude Jekyll komponierte Gärten wie Gemälde - für sie war die Gartenkunst ein Teil der schönen Künste neben Dichtung, Musik und bildender Kunst. Gleichzeit war sie eine kundige Praktikerin mit herausragendem gärtnerischen Wissen. Sie hing nicht an einem bestimmten Gartenstil, sondern strebte ständig nach der vollkommenen Schönheit.
"Die Größe eines Gartens hat im Grunde nichts mit seiner Schönheit zu tun. Es hängt vielmehr vom Herzen, vom Verstand und dem ernsthaften Bemühen des Besitzers ab, ob sein Garten reizvoll oder langweilig ist" 
Die begnadete Gestalterin hat viele große Gärten entworfen, verlor aber dabei nicht die Genauigkeit für das kleinste Detail. So bieten ihre Entwürfe auch heute noch wertvolle Anregungen auch für Besitzer kleiner Gärten. Zum Glück sind über 2000 Pläne mit Details für über 250 Jekyll-Gärten erhalten geblieben. Richard Bisgroves Arbeit ist zu verdanken, dass interessierte Gartenfreunde eine Auswahl dieser Pläne in Ruhe zuhause studieren können. Nach sorgfältiger Prüfung aller Entwürfe wurden aus 150 ausgesuchten Plänen 47 davon neu nachgezeichnet und gut lesbar beschriftet.
Gertrude Jekyll starb am achten Dezember 1932 in ihrem Haus in Munstead Wood, aber ihr Werk lebt bis heute weiter.


Jardins enclos de Barrington Court Manor par Gertrude Jekyll - Angleterre Auteur: P Charpiat - 2006

Die Bloggerin Soodie Beasley schreibt in einem Beitrag über Gertrude Jekyll als Designerin: Designer: Gertrude Jekyll 
Ein nettes Detail am Rande: Gertrudes Bruder war ein Freund von Robert Louis Stevenson, der ihren Nachnamen in seiner Novelle "Dr. Jekyll and Mr. Hyde"verwandte.
David Austen benannte eine schöne und robuste englische Rose nach ihr.
Munstead Wood ist eine heute noch an wenigen Tagen anlässlich der regionalen "Offenen Gartenpforte"zu besichtigen Munstead Wood Garden, (danke an Hermann Gröne von Garten Gröne für den Hinweis!)
Hestercombe Gardens gilt als eines der schönsten Werke von Jekylls und Lutyens: Hestercombe Gardens
Auch das Manor House and Garden in Upton Grey kann besichtigt werden.

Detail von Hestercombe Gardens bei Taunton, Somerset von Sabine Grasediek-Gutleben (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) oder CC-BY-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons
 Sommer 2003

mehr Bilder von Hestercombe  Gardens bei Wikimedia

 Gertrude Jekyll's Long border at Manor House, Upton Grey, Hampshire, UK von Aquilineyes  (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons


Buchempfehlung: Richard Bisgrove "Die Gärten der Gertrude Jekyll", erschienen bei Ulmer 


Der englische Gartenarchitekt und Autor Richard Bisgrove ist ein profunder Kenner des Werkes von Gertrude Jekyll und William Robinson. Sein Schwerpunkt ist die Gartengeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Das Buch ist kein locker erzählter illustrierter Gartenband, sondern eine umfassende akademische Arbeit zu Gertrude Jekylls Lebenswerk. Kapitel über die Entstehung von Gärten, den besonderen Charakter eines Gartens und die Pflanzenverwendung in einzelnen ausgesuchten Gärten bieten eine Fülle von Anregungen und Informationen über die Gartengeschichte dieser Zeit. In den Kapiteln über formale Gärten, Rosengärten, die Gestaltung mit Gehölzen, naturnahe Gärten, Treppen und Mauern, Sonne und Schatten sowie von Gertrude Jekyll bevorzugte Pflanzen wird die erstaunliche Vielseitigkeit der berühmten Gestalterin deutlich. Ein sehr empfehlenswertes Buch für Gartenliebhaber, die sich intensiv mit der Materie beschäftigen möchten. Die Schönheit der Gärten erschließt sich schon bei der oberflächlichen Betrachtung der vielen guten Fotos, die Pläne sollten mit Muße und Interesse studiert werden.  Ein sehr wertvolles  und immer noch aktuelles Werk zur Gartengeschichte und Gartenkunst! (neu überarbeitete Auflage von 2008). 

Alle kursiv geschriebenen Zitate sind von Gertrude Jekyll.

Reisetipp: im August 2013 wird bei der Reise "Cotswolds und Normandie" auch ein Jekyll-Garten besichtigt: "Le Bois de Moutiers" in der Normandie
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