Gartenkunst

Gartenkunst geht über die Nutzbarmachung von Land hinaus zur ästhetischen Gestaltung - sie ist die Verbindung von gärtnerischer Arbeit und künstlerischer Kreativität


Sonntag, 24. Februar 2013

Eröffnung des Museums der Gartenkultur in Illertissen



Gärtnerstolz um 1925 - Foto aus dem Privatarchiv der Gärtnerei Helmut Kröß, Ulm



"Gärtner sind Handwerker, deren Beruf es ist, im Garten zu arbeiten. Der Gärtner ist ein Mann des Geistes und des Geschmacks. Die vielfältigen Tätigkeiten seiner Kunst erfordern vollkommene Erfahrung, die sich aus dem Studium der Natur ergibt." 
Mit diesem Zitat aus dem "Dictionnaire du Jardinage" von A.N. Dezallier d'Argonville aus dem Jahr 1763 leitete Dr. Reinhard P. Hemmer seine unterhaltsame Rede zur Eröffnung des neuen "Museums der Gartenkultur" in Illertissen am 22.2.2013 ein.



Von sprudelnden Ideen, Ernüchterung, Ermunterung und schließlichem Gelingen eines ambitionierten Planes berichtete er den zu dem festlichen Ereignis angereisten Gästen.
Angesichts eines alten Treibhauses in Dießen fingen drei Männer im Juli 2010 an zu träumen - aus dem Glashaus sollte ein neues Museum werden. Aber dann kam alles ganz anders...

Dießen im Juli 2010
Der Traum: Aus einem alten Treibhaus wird ein neues Museum
Illertissen, März 2011
Die Wirklichkeit: Es geht nicht.
Es musste alles neu überdacht und  neu geplant werden...

Der fünfte Entwurf führte zur Erkenntnis: das isses!
Das neue Museum der Gartenkultur von oben 
Im Außenbereich ist noch vieles in Planung - neben den wechselnden Ausstellungen im Museumsbau werden Pflanzenkabinette wie das "Formobstkabinett" und viele weitere den Besuch zu verschiedenen Jahreszeiten interessant machen.



Illertissens Bürgermeisterin Marita Kaiser freute sich über eine weitere Attraktion in "ihrer" Stadt, die sich damit weiter als Museums- und Gartenstadt positioniert. 



Dr. Michael Henker, Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen, zitierte Picassos Spruch "Gebt mir ein Museum und ich werde es füllen". Das Dreigestirn des Vorstands ging den umgekehrten Weg: Sie bauten ein Museum, um einen Platz für Ausstellungen aus der umfangreichen Sammlung des Landschaftsarchitekten Wolfgang E. Hundbiss zu schaffen. Von Sammelleidenschaft, Sammlerglück, vom Sammeln und Sichern, Konservieren und Bewerten als langem Prozess bis hin zur Ausstellung im Museum erzählte Dr. Henker. Als "Schatzkammer", egal was der Inhalt denn ist, bezeichnete er ein Museum und hob die Bedeutung gerade regionaler Museen  als Sachgedächtnis einer Gesellschaft und als "Identitätsbank" des regionalen Stolzes hervor.


Christine Högl entführte das Publikum mit ihrer keltischen Harfe  zwischen den Reden  in ihre Klangwelten


Jörg Geiger von der Manufaktur Jörg Geiger in Schlatt bei Göppingen stiftete für das Fest köstliche Spezialitäten aus seinem Keller wie den Secco aus der Champagner Bratbirne. Den Ausschank übernahm die Ulmer Slow Food Gruppe, die den Gästen auch regionale schwäbische Spezialitäten wie "Schneckenbutter", geräucherte Forelle, Käse und einen feinen Linsensalat aus der "Alb - Leisa" anbot. An der warmen Theke gab es leckere Variationen der typisch schwäbischen Maultaschen.





Drinnen warten die Zwerge schon auf ihre neuen Einsatzorte

 Die Dekoration folgt dem Motto "Frühlingserwachen"

Aber draußen herrscht noch tiefster Winter
Don Quijote im Schnee

Wolfgang Seethaler stiftete für das Museum ein Bild, das von Elfriede Heinze aus Vorarlberg und von Anke Kuhbier, der Gründerin der "Gartengesellschaft" (Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V.), enthüllt wurde. Es zeigt eine Dame in einem "Lustgarten" und soll laut Seethaler das Museum - in dem es ja im wesentlichen um die gärtnerische Arbeit gehe - um den Aspekt der reinen Freude am Garten bereichern.



von links: Anke Kuhbier, Dr. Reinhard P. Hemmer, Elfriede Heinze, Dieter Gaißmayer

Der Vorstand der Stiftung Gartenkultur: Dr. Reinhard P. Hemmer, Wolfgang E. Hundbiss und Dieter Gaißmayer

lauter zufriedene Gesichter
Die Arbeitsbereiche des Museums umfassen: das "Gartenarsenal" (Sammlung und Museum), das "Sortenarsenal" (Pflanzensammlung, Kultivierung, Beobachtung, Selektion und Wissenssammlung), die Gartenbildung (Wissensvermittlung für Laien und Fachleute) und "Offene Gärten" (gartenkulturell bedeutende und sehenswerte öffentliche und private Gärten in Schwaben)
Mehr Informationen über die Arbeit der Stiftung Gartenkultur, das Museum, aktuelle Termine usw. auf der Seite der
 Stiftung Gartenkultur 

Mehr über die aktuelle Ausstellung
 "Vom Samenkorn zum Setzling" bei Gartenziele


Samstag, 9. Februar 2013

Die Kräuterwerkstatt in Pfronten - wie aus einem Garten ein Familienbetrieb entstand


„Vor zehn Jahren war hier nur eine Wiese…“ so fangen manche interessante Gartengeschichten an. So auch die von Roswitha Ganseneders wunderschönem Kräutergarten in Pfronten Ösch. Das etwa 2000 Quadratmeter große Grundstück hinter dem Wohnhaus der Familie ist Rückzugsort, Lehrgarten, Seminarort und vor allem Kraftquelle für die rührige Frau.



Angefangen hat ihre Gartengestaltung mit einem großen Kräuterrondell, auf dem die Kneipp-Gesundheitsberaterin und Kräuterfachfrau alle die Kräuter pflanzte, die sie nicht wild in der Umgebung sammeln kann.
Zunächst war alles geordnet, da waren die Teepflanzen, dort die Leberheilpflanzen, dort die Frauenheilkräuter und so weiter, aber mit der Zeit suchten sich die Pflanzen ihren eigenen Platz, seither gedeihen sie besonders gut“ erzählt sie von den Anfängen des Gartens.
Als zweites Element kam der Meditationspavillon ganz am Ende des Grundstücks dazu.
Inzwischen gibt es ein Labyrinth, einen Hexengarten, einen Steingarten mit vertieftem Sitzplatz, ein kleines Gewächshaus voller verschiedener Tomatensorten, vier große Hochbeete mit Gemüse und noch mehr Kräutern, viele romantische Sitzplätze, einen Platz für Kneippanwendungen, ein Tipi mit Feuerstelle und mehrere Teiche. Die ganze Anlage ist schön gestaltet und so gut gepflegt, dass man sich fragt wie viele Arbeitsstunden wohl erforderlich sind, um dieses kleine Paradies in solch einem Zustand zu erhalten. Auffällig ist auch die Üppigkeit, die Gesundheit und Wüchsigkeit der einzelnen Pflanzen – ob es die Vogelbeerbäume sind, einzelne Rosenbüsche wie die prächtige „Stanwell perpetual“ in der Mitte des Kräuterrondels, oder die Königskerzen - den Pflanzen scheint es hier wirklich zu gefallen. Gedüngt werden sie nur mit selbst hergestellten Pflanzenjauchen wie Brennessel- und Schachtelhalmsud.
Etwa ein Drittel des Gartens, der Teil der am nächsten zum Haus liegt, gehört dem Familienleben – dort bietet ein romantischer Teich direkt an der Terrasse einen Lebensraum für Libellen und Molche, ein Staudenbeet leuchtet in sommerlichen  Farben.



Ein Tor markiert den Eingang ins Reich der Kräuter
„Hier beginnt für mich eine andere Welt“ erklärt Roswitha Ganseneder. „Angels are always welcome“ verkündet ein Holzschild  am Tor, und ein paar Meter weiter warnt ein kleines Schild mit der Aufschrift „Caution low flying angels“ vor eventuellen Folgen dieser Einladung. An vielen Stellen im Garten finden sich Figuren von Feen, Engeln und Gnomen als Vertreter der „Anderswelt“.
Zusammen mit dem Garten wandelte sich Roswithas Arbeitstätigkeit. Als Gesundheitstrainerin und Heilpflanzenexpertin nach Kneipp hatte sie ja schon viel mit Kräutern zu tun, die nun mehr und mehr zum Schwerpunkt wurden. Dabei ist ihr die Beschäftigung mit den Kräutern eigentlich schon in die Wiege gelegt worden – schon ihre Großeltern waren kräuterkundig, ihre Mutter stellte Balsame und Tinkturen für den Hausgebrauch  her. So ist auch das Binden von sehr dekorativen Kräuterboschen aus dem Garten hier ein großes Thema.  „Räucherboschen“ zum Verräuchern  – als „Sonnenboschen“ aus Pflanzen mit starkem Bezug zur Sonne, oder „Mondboschen“ mit vielen Frauenkräutern sind eine Spezialität von "Rosi".



Seit 2004 bietet sie unter dem Namen „Kräuterwegweiser“ Seminare und Kurse zu verschiedenen Heilpflanzen  und Themen an, die sich mit den Zyklen, den Traditionen, sowie der Verarbeitung und Verwendung der heimischen Pflanzenwelt beschäftigen – im Einklang und in respektvollem, achtsamen Umgang mit und in der Natur.
In den Kräuterkursen geht es zur passenden Jahreszeit um bekannte heimische Pflanzen wie Brennessel, Holunder, Baldrian, Ringelblume, Weißdorn und Engelwurz.
An vier Wochenenden im Jahr ist das Thema die intensive Beschäftigung mit den Wachstumszyklen der heilsamen und Kraft spendenden  Pflanzenwelt - vom Frühlingserwachen bis zum Rückzug der Pflanzen im Herbst.  


Die Seminare fanden regen zuspruch,
immer mehr Leute wollten daran teilnehmen, deshalb wurde 2005  ein 35 Quadratmeter großer Seminarraum errichtet, in den man seitdem bei schlechtem Wetter oder in der kalten Jahreszeit ausweichen konnte. Die Teilnehmer fragten nach guten Ölen und anderen Rohstoffen in naturreiner Qualität, so entstand ein kleiner Laden im Seminarraum.
Auf Grund wachsender Nachfrage wurde das Angebot mit Räucherwaren, biologischen Seifen, Allgäuer Tees und einigen thematisch passenden Büchern ergänzt. Dafür wurde der Seminarraum bald zu  klein, es musste mehr Platz geschaffen werden. 



2007 begann der Umbau der alten Schreinerwerkstatt  Lotter, eines von Roswithas Großvater Roman Lotter ursprünglich als Werkstadl errichteten Gebäudes, in einen Verkaufsladen. Aus den Begriffen Kräuter und Werkstatt entstand der Firmenname „Kräuterwerkstatt“, ein Laden für Besonderes mit Bezug zur Welt der Pflanzen. Viele der angebotenen Produkte und Artefakte haben einen regionalen Bezug, sie stammen aus dem Allgäu oder aus Tirol. Bei Lebensmitteln, Räucherwaren und Kosmetik wird darauf geachtet, dass sie kontrolliert biologisch angebaut und hergestellt wurden.
Während die Seminarteilnehmer sich am Morgen einfanden und wenn sie zwischendurch Pause machten, kam öfter die Frage nach einem gemütlichen Platz für einen Kaffe oder einen kleinen Imbiss auf, auch möchte man sich nach einem Vortrag doch gern noch ein wenig austauschen und für die Heimfahrt stärken. Nun war wieder Christian Ganseneders unternehmerischer Elan gefragt, und gemeinsam plante das Paar ein neues Projekt: den am 28. Juli 2009 eröffneten „Teeturm“, für dessen Bau Fichten- und Lärchenholz aus der Region verwendet wurde.

 
Hier gibt es verschiedene Teesorten, Kaffee und Kleinigkeiten zum Essen wie Kuchen und Aufstriche auf Dinkelbrot - natürlich nicht nur für Seminarteilnehmer, sondern ganz öffentlich.
„Kräutertee trinkt man doch nur, wenn man krank ist“ meinen manche, aber die Tees mit klingenden Namen wie „Gipfelstürmer“, „Elfentraum“ oder „Venus“, alle von Allgäuer Kräuteranbauern, machen auch Zweifler neugierig. Klar, dass auch der frische Kuchen ganz köstlich schmeckt und auch die leckeren Kräuteraufstriche selbst gemacht sind. Der Teeturm beherbergt auch die Abteilung Hildegardprodukte ( Dinkelprodukte und Kräuterweine) und Bücher zum Thema Pflanzen mit Schwerpunkt auf die spirituellen Aspekte der Pflanzenwelt.

Der Kräutergarten ist von Mai bis September bei schönem Wetter Donnerstag nachmittags zu besichtigen
Öffnungszeiten  Laden und Café Teeturm
Di - Fr 9:00 - 18:00 Uhr, Sa 9.00 - 17:00 Uhr

Kontakt:
KRÄUTERWERKSTATT
Badstraße 11
D – 87459 Pfronten im Allgäu
Telefon           0049 8363 928 9209
Telefax            0049 8363 927 904
Email              info@kraeuterwerkstatt.com
Internet           www.Kraeuterwerkstatt.com









Mittwoch, 6. Februar 2013

Reisetipp Cotswolds und Normandie im August

Hidcote Manor, Barnsley House, Le Jardin Plume und Les Jardins Agapanthe - das sind Gärten, über die ich ich schon viel gelesen habe. Besucht habe ich bisher noch keinen von ihnen, aber das wird sich hoffentlich dieses Jahr ändern.

Barnsley House, by Brian Robert Marshall [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons


Nachdem die Reise "England/ Frankreich III - Die Cotswolds und Normandie" nach kurzer Zeit ausgebucht war, haben Hermann Gröne von "Garten Gröne" und Peter Gartz von aha-Reisen einen zweiten Termin vom 23. bis zum 28. August angesetzt, und das Gute ist: es gibt noch freie Plätze!
Wer kommt mit?

Hidcote Manor, by Neil Kennedy [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Die Reise geht ab Nettetal am Niederrhein, aber für Anreisende von weiter weg organisiert der Veranstalter die Übernachtung vor Ort, so dass am nächsten Morgen um halb sieben alle abfahrbereit sein können. Das erste Frühstück gibt es dann im Bus.
Falls es Interessenten aus dem Süddeutschen Raum gibt - meldet euch doch bei mir, vielleicht lässt sich eine Fahrgemeinschaft bilden? (unten als Kommentar oder privater über das Kontaktformular auf meiner Webseite).
Im Garten von Bury Court Barn in Farnham werden wir Gartengestaltung von Piet Oudolf und Christopher Bradley-Hole sehen, im berühmten Barnsley House den Afternoon Tea genießen und anschließend den Garten anschauen...in der Normandie steht unter anderen der typische Jekyll-Garten "Les Bois des Moutiers" auf dem Programm - darauf bin ich sehr  gespannt, weil ich mich gerade intensiv mit ihrer Arbeit befasst habe. Im Jardin de Vasterival kann man unter anderem die im Sommer sicher sehr schöne Hydrangea-Sammlung bewundern und auf der Rückfahrt sind wir in Belgien bei der Gartengestalterin Dina Deferme zu Gast. Worauf ich mich am meisten freue kann ich dabei gar nicht sagen, aber eins ist sicher: an jedem der Orte würde ich wohl am liebsten einen ganzen Tag verbringen.

Broughton Grange The walled garden by Robin Stott [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons


Karte mit Stationen der Reise

Links zu den Gärten:
Bury Court Barn
Hidcote Manor
Barnsley House
Broughton Grange
Eastleach House
Le Jardin Plume
Les Jardins d´Angelique
Les Bois des Moutiers
Jardin de Vasterival
Les Jardins Agapanthe
Der Garten von Dina Deferme

Anmeldung über:
aha!- Reisen/Peter Gartz Tel. 02158 404142
(wer über "Gartenkunst oder Wege nach Eden" auf diese Reise gestoßen ist, bitte Bescheid sagen)


Die Preise und Leistungen:

Fahrt in einem komfortablen Reisebus
Begrüßungsdrink; gutes Frühstück im Bus
Fahrt durch den Eurotunnel Calais - Folkestone
2 x Abendessen, Übernachtung u. landestyp. Frühstück (3*sup.) / Bristol
Abendessen in einem gemütlichen Pub / Portsmouth
Fährüberfahrt Portsmouth – Caen mit Britanny Ferries
(Unterbringung in 2-Bettkabinen – innen mit DU/WC
Frühstück nach Ankunft in Caen]
2 x Abendessen, Übernachtung u.Buffetfrühstück (3*)/ Rouen
alle Rundfahrten lt. Programm
qualifizierte Reisebegleitung!
inkl. aller Straßensteuern und Parkgebühren

Preis pro Person € 789,-
Einzelzimmer-Zuschlag € 156,-
Einzelkabinen-Zuschlag: € 49,-
Eintritte in Gärten und Parks: € 175,-

Reiserücktritts - Reiseabbruchversicherung
im DZ/2-Bettkab.(mit Selbstbehalt/20%) €24,- ohne SB € 33,-
im EZ ( mit SB 20%) € 29,- ohne SB € 40,-
in EK(Einzelkabine) ( mit SB 20%) € 30,- ohne SB € 42,-

Nähere Beschreibung der Reise auf der Seite von Hermann Gröne (Reise III, ganz unten...)
Gartenreisen nach England




Reisetipp "Gelderländer Gartenjuwelen" im Mai



Vom 24.5. bis zum 26.5. bietet Birgit Fellecke von "Gartenpfade" eine Gartenreise ins Gelderländer Hinterland an. Die Gartenbautecnikerin hat sich auf Reisen zu privaten Gärten spezialisiert - Gartenziele, die für Einzelreisende nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet sind und deshalb schwer in die "normale" Urlaubsplanung einbezogen werden können.
Die Busreise startet von Aschaffenburg mit Zustiegsmöglichkeiten in Frankfurt am Flughafen und in Köln.
Der Schwerpunkt der Reise liegt auf Besuchen in schönen Privatgärten.
Hostafreunde werden sich an den etwa 400 Sorten im "Hof zu Ruurlo"freuen. In der Nähe der Stadt Deventer stehen der "Huzarenhof", der Privatgarten von Berna und Dirk Addendink mit verschiedenen Gartenräumen und Farbthemen  und der Garten "De Uiterward" in der Nähe des Ijsselgebietes auf dem Programm. Am Sonntag geht es zu einem weiteren Privatgarten, dem "Kleinknoevenoord". Zum Abschluss der Reise geht es in den Garten einer Porzellanmalerin: „Het Rhienderenseveld“ nennt Ria Stam ihr Gartenreich.

Näheres auf der Seite von Gartenpfade:
"Gelderländer Gartenjuwelen"



Sonntag, 3. Februar 2013

Rosengarten Legau - ein Garten für die Seele




Die Villa der alten Handschuhfabrik Schmidl in Legau ist gleich zu erkennen – kein anderes Haus im Ort hat eine in  leuchtendem Türkis gestrichene Fassade. Zu dem heute als “Antikhof Legau” bekannten Anwesen gehört ein um die 5000 Quadratmeter großes Grundstück, das die Besitzer im Lauf der letzten 18 Jahre in einen zauberhaften Garten verwandelt haben. Hier leben Silvia und Robert Kaube-Schramek, inzwischen ist auch die gemeinsame Tochter Genai mit ihrem Lebensgefährten hierher zurück gekehrt.  
Fünf Jahre lang suchten die Schrameks nach einem Ort,  der genügend Platz für Sylvias Atelier und Roberts Antiquitätenhandel bot. 1994 wurden sie in Legau  fündig. Zunächst mußte natürlich Villa renoviert werden, aber schon bald  wurde mit Hilfe der Waldjugend eine Hecke aus heimischen Wildsträuchern und Vogelschutzgehölzen um das Grundstück gepflanzt und so von den anschließenden landwirtschaftlich genutzen Flächen abgegrenzt. Inzwischen ist die Hecke hoch gewachsen und bietet nicht nur vielen Vögeln eine sichere Unterkunft, sondern auch einen guten Windschutz.




Oft werden Schrameks gefragt, wer ihnen diesen Garten angelegt hat, aber er ist langsam und in Eigenarbeit gewachsen.“Mit genügend Geld kann man einen Garten nach Plan anlegen lassen und bis zum Pflanzenkauf und dem Setzen alles delegieren” meint Robert Schramek, “aber wir mußten sehr darauf schauen, was finanziell machbar war”.
Aus dem Grundbedürfnis, es sich schön zu machen, wurde ein Bereich nach dem anderen “nach Gefühl” gestaltet. Angefangen hat es direkt am Haus, dann wie es Zeit und Geldbeutel erlaubten immer ein paar Meter weiter.
Silvias künstlerische Ader kommt in der Gartengestaltung zum Ausdruck, ihre Intuition, ihr Gefühl für Kunst, für Farben und Energien ist überall spürbar. Auch Roberts Antiquitätenhandel kam der Sache entgegen: viele eigentlich für den Verkauf gedachten Stücke wurden gleich in den Garten entführt. Manche Stücke dienen draußen als Anschauungsmaterial, von anderen wollen sich die Schrameks nun gar nicht mehr trennen. Die Hollywoodschaukel etwa ist inzwischen so eingewachsen, dass sie zum festen Inventar gehört.




ZAHLREICHE RAMBLERROSEN UND VIELE SKULPTUREN SCHAFFEN DIE ATMOSPHÄRE EINES “MÄRCHENGARTENS”
 - da findet man eine badende Nymphe, ein turtelndes Liebespaar, ein Blumenmädchen, Gnomen, Elfen und Zwerge. Ein Reh und ein Hase vertreten die steinerne Tierwelt, ein großer “Blumenengel” wacht über den Kräutergarten.


Karakteristisch für das parkähnliche Gelände sind neben den Sträuchern, Bäumen und Skulpturen die Mischung aus Kräutern, Blumen, einheimischen Wildpflanzen und Rosen.
Königskerzen, Lavendel, Storchschnabel, Minzen, Katzenminze, Dalmatiner Salbei, Nachtkerze, Baldrian, Ysop, Bohnenkraut, Bartnelken, Kornblumen, Sauerampfer, Fingerhut, Erdbeeren, Frauenmantel, Mohn, Johanniskraut, Knoblauch, Marghariten und  viele andere Pflanzen tummeln sich in in bunten Gesellschaften an verschiedenen Plätzen. “Wir lassen den Garten viel vorgeben, es geht nicht nach einem vorgegebenen Plan. Meist schauen wir erstmal, was wo wachsen will – was kommt wo, was ist das?” erklärt Silvia. Diese Art zu gärtnern macht natürlich mehr Arbeit, denn man kann nicht mal rasch “die Beete säubern”, sondern muss den Sämlingen Zeit geben,  bis man erkennt, was für Pflanzen sich daraus entwickeln. So entstand aus einem Haufen mit Aushub, den sich wilde Pflanzen und Sämlinge aus dem Kräutergarten schnell erobert haben, ein wie absichtlich angelegtes erhöhtes Beet, in das dann noch einige Rosen gesetzt wurden.
Die sieben Hauskatzen der Schrameks genießen diesen Garten genauso wie die kleine Heidschnucken Familie, die einen Teil der Rasenfläche kurzhält und Mist für den Garten liefert, welcher in gut abgelagerter Form im Herbst als Dünger ausgebracht wird.




Es ist nicht überall nett und aufgeräumt in diesem naturnahen Garten, eine “Herbstsäuberung” gibt es auf diesem Gelände nicht, die verwelkten Pflanzenteile bleiben über den Winter stehen. “Das schützt die Stauden und dient den Vögeln als Futter” meint Silvia, die erst im Frühjahr die Reste entfernt. Auch die alten gusseisernern Stühle mit dem Rosenmuster und der dicken rostigen Patina sind nicht jedermanns Sache – viele würden sie sicher abschleifen und lackieren wollen, aber bei Schrameks bekommen sie im Frühjahr statt dessen einen pflegenden Anstrich mit Leinöl.

DIE ROSEN SIND DIE LEITPFLANZEN
und Silvias ganze Leidenschaft: mehr als 300 Sorten hegt und pflegt sie inzwischen.


Die Liste der Sorten liest sich wie das who is who der Rosenzucht. Am wenigsten vertreten sind dabei die lang blühenden modernen Sorten, die sich hauptsächlich im “Innengarten” direkt an der Terasse versammeln. Die orange leuchtende Strauchrose “Westerland”,  die unverwüstliche “Bonica”, “Hildesheim” mit ihren kleinen lachsfarbene Blüten von Sommer bis November, die fast blaue “Rhapsodie in Blue” und einige mehr versuchen hier das Herz ihrer Gärtnerin zu gewinnen. Deren Liebe gilt aber mehr den historischen Rosensorten, den hochrankenden Ramblern und ganz besonders den anspruchsvollen, als “englische Rosen” bekannten Sorten des berühmten englischen Züchters David Austin.
Benjamin Britten, Winchester Cathedral, Brother Cadfael, Spirit of Freedom, Lichfield Angel, Crocus Rose, The Pilgrim, Young Lucides, Jubilee Celebration und die einmal blühende, ungefüllte Shropshire Lass sind “englische” Lieblinge, die Silvia spontan einfallen. Und dann natürlich noch St. Swithum mit ihrem Myrrheduft, und die wunderschöne Sharifa Asma, und das sind noch lange nicht alle.
BEI DEN ALTEN ROSEN HAT MAN DIE GARANTIE, DASS SIE GUT WACHSEN” erklärt die Gärtnerin, bei den modernen und den englischen Rosen hat sie die Erfahrung gemacht, dass es sehr auf die einzelne Pflanze ankommt. Unter den englischen Sorten sind die am wüchsigsten, die aus direkten Kreuzungen mit alten Rosen hervorgegangen sind.


Oft würden sich die üppig wachsenden Containerrosen, die meist im Gewächshaus unter optimalen, geschützten Bedingungen heranwachsen, im Garten nicht so gut entwickeln.
Wichtig bei den anspruchsvollen Sorten sei, ihnen ein großes Pflanzloch mit der besten Erde herzurichten, damit sie gleich einen guten Start haben. Die besten Erfahrungen hat Silvia mit direkt beim Züchter bestellter so genannter “Wurzelware” gemacht.
Die historischen Rosen kann man hier nicht nur annähernd aufzählen, es sind Vertreter fast aller Rosenfamilien dabei, Rosa alba, Rosa gallica, Portlandrosen, Remontantrosen.  Der Höhepunkt im Gartenjahr ist etwa Mitte Juni, wenn die meisten der historischen Sorten von ihnen blühen einmal im Jahr sehr üppig und mit berauschenden Düften.
AM BERAUSCHENSTEN IST DER GARTEN ETWA MITTE JUNI, wenn die einmal im Jahr blühenden alten Rosen und die Rambler ihr Blütenfeuerwerk zünden.
Besondere Lieblinge der Schrameks unter den romantischen Ramblern sind Maria Lisa, Duke de Cambridge, die fast sechs Wochen lang blühende Bleu magenta und Felicitée Perpetue.
Eine gut gebändigte “Bobby James” erklimmt das Haus – ohne den regelmäßigen Rückschnitt würde es dieser Kletterkünstler unter den Rosen schaffen, die Villa in ein undurchdringliches Dornröschenschloß zu verwandeln. Schon mancher, der diese Rose in seinen Garten holte, hatte hinterher mit ihrer Wuchskraft zu kämpfen. Mit ihr kann man mühelos ganze Scheunenwände verkleiden, man sollte sie aber nicht sich selbst überlassen.
Inzwischen hat Silvia die Kunst nicht nur in den Garten getragen, sondern umgekehrt liefert dieser wieder Vorlagen für Bilder. Anstatt Gartenszenen zu malen, hält die Gärtnerin die märchenhaften Stimmungen gerade des abendlichen und nächtlichen Gartens mit einer einfachen kleinen Digitalkamera fest. Auf Leinwand gedruckt und auf Holzrahmen gezogen hat sie so surreale, zauberhafte Bilder geschaffen.
2010 haben Schrameks entschlossen, ihren Garten im Sommer  für interessierte Besucher
zu öffnen. Nach Absprache kann der Garten von Mitte Juni bis Mitte September besucht werden, auch Gruppen von Gartenbau- und anderen Vereinen sind mit rechtzeitiger Anmeldung gern willkommen. Eintritt verlangen die Schrameks bisher nicht, “aber Spenden sind erlaubt” meint Robert Schramek schmunzelnd. 





PFLEGETIPPS FÜR´S ROSENGLÜCK
Als wichtigste Pflegemaßnahme sieht Silvia das Mulchen an. Das Bedecken des offenen Bodens um die Rosen mit Grasschnitt hält die Feuchtigkeit im Boden, die Bodenstruktur krümelig und durchlässig, liefert Nahrung für das Bodenleben und wird zu düngendem Kompost abgebaut. Mit jedem Rasenmähen werden wieder einige Rosen versorgt, so weit der Rasenschnitt eben reicht. Bis die Reihe wieder die erste Fläche kommt, dauert es etwa vier Wochen, bis dahin ist der Mulch vom letzten Mal schon fast verschwunden. Etwa fünf bis sieben Zentimeter hoch wird die Schicht aufgetragen.
Im Herbst werden die meisten Rosen nur mit gemähten ( zusammengekehrten, mit dem Rasenmäher zerhäckselten) Blätter eingepackt.
Im Frühjahr, von Mitte März an, wird das Laub auf die Seite geschoben,  Dünger ausgestreut und das Laub wieder aufgebracht. Bis der Rasenschnitt wieder als Mulch zur Verfügung steht, ist das meiste schon verrottet, der Rest wird dann in der Hecke verteilt.
Gedüngt werden die mehrfach- oder dauerblühenden Sorten bis zu dreimal, zwichendurch bekommen sie noch Brenneselbrühe. Die einmal blühenden alten Rosen brauchen natürlich weniger “Futter”, sie schießen bei Überernährung auch zu sehr ins Kraut. Anfang bis Mitte der Saison gibt es eine Gabe Hornspäne für alle, ansonsten handelsüblichen Rosendünger. Ab Ende Juli wird nicht mehr gedüngt, um die Holzreife nicht zu verhindern.  
                                                                                                                                                     RAMBLER ÜBERWINTERN
Die Triebe der noch jungen Rambler und Kletterrosen werden nach Möglichkeit im Herbst auf den Boden gelegt und abgedeckt. Bei älteren Ramblern hat Silvia ihre eigenen Methode entwickelt: statt wie früher die alten Triebe im Herbst abzuschneiden und die jungen aufzubinden, was in harten Wintern oft zum völligen zurückfrieren führte, läßt sie die noch weichen jungen Triebe ganz in Ruhe. Diese senken sich nach unten und sind im Winter meist schneebedeckt und so vorm Erfrieren geschützt. Erst im Frühjahr, wenn keine harten Fröste mehr zu erwarten sind, legt sie alle Triebe fächerartig auf dem Boden, sortiert sie sorgfältig auseinander, schneidet die alten aus und bindet die Jungtriebe wieder an ihr Gerüst. “Man muss es aushalten, dass die Pflanzen im Herbst und Winter stakelig wirken” meint sie, eine für sehr ordnungsliebende Gartenbesitzer sicher schwere Übung. Aber mit dieser Methode spart man sich umständliches Einwickeln der Rosenbögen und wird mit den dichtesten Blütenranken belohnt.

“WOHER NEHMEN SIE DENN DIE ZEIT?” - HÄUFIGE FRAGEN
manche Fragen müssen die Schrameks ihren Gartenbesuchern immer wieder erklären.  Um den Beiden etwas Zeit zu sparen, beantworten wir für unsere Leser schon mal einige dieser Fragen vorab. Um das Mulchen, das Düngen und die Überwinterung ging es ja schon weiter oben im Text.




“Oft fragen mich die Leute bei Führungen, wie wir die Zeit für den Garten haben. Aber Zeit ist für alle gleich, jeder hat 24 Stunden am Tag - es kommt auf die Prioritäten an. Wenn man Gartenarbeit als Last sieht, geht es nicht” sagt Robert Schramek, der seine Freizeit inzwischen auch lieber im Garten werkelnd verbringt, als sich anderswo Entspannung zu suchen. Wenn man ihn so mit der Schubkarre durchs Gelände ziehen sieht, wirkt er nicht wie der ausgebildete Jugend- und Heimerzieher, der schon mit einer Gruppe lernbehinderter Jugendlicher aus dem Ursberg an den Specialolympics in den USA teilgenommen hat.
WAS MACHEN SIE GEGEN BLÄTTLÄUSE?“
„Blattläuse sind der gedeckte Tisch für Vögel, Marienkäfer und ander Tiere. Wo sie überhand nehmen, schütteln oder streifen wir sie ab“ erklärt Silvia, die dabei dann auch vom faszierenden Lebenszyklus der lebend gebärenden Insekten zu erzählen weiß. Und dass Ameisen Blattläuse züchten, sei ein völliger Unsinn. Keine Frage, dass sie auch diesen staatenbildenden kleinen Tierchen ihr Auskommen im Garten gönnt.
“WIE IST ES MIT PILZERKRANKUNGEN AN DEN ROSEN?”
Gut gemulchte, gut ernährte Rosen sind weniger krankheitsanfällig als darbende Exemplare. Bei geringem Befall werden die befallenen Blätter einfach abgeschnitten. Eine praktische, weil zeitsparende Erfindung ist dafür eine Spezialschere mit Klemmfunktion, die abgeschnittene Blätter und Blüten festhält. So kann man in der anderen Hand einen kleinen Korb oder Eimer halten und das Schnittgut direkt dort hineinwerfen. Vorzugsweise die englischen Rosen werden mit Schachtelhalmbrühe gespritzt, bei Mehltaubefall reicht oft schon ein Durchgang.
Zur Herstellung der Schachtelhalmbrühe wird ein Topf voll frischer Schachtelhalm mit Wasser aufgegossen, 24 Stunden stehen gelassen, aufgekocht und zum Spritzen im Verhältnis eins zu fünf mit Wasser verdünnt. Schachtelhalmpräparate gibt es auch als Pulver oder flüssig zu kaufen.
“WAS IST REMONTIEREN?”
Als remontieren bezeichnet man die Eigenschaft, nach einer Hauptblütezeit später noch eine Nachblüte zu zeigen. Die vielgestaltige Rosenklasse der Remontantrosen ist das Bindeglied zwischen den alten und den modernen Rosen. Viele von ihnen haben noch den kräftigen, überhängenden Wuchs der alten Rosen.
“WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN RAMBLERN UND KLETTERROSEN?”
Ramblerrosen, auch als Schlingrosen bezeichnet, sind eine sehr wuchskräftige Rosegruppe, die mit vielen weichen, langen Trieben aus der Basis heraus wachsen. Was man bei anderen Rosen als Wildtriebe ausschneiden würde, ist bei den Ramblern die Basis für die Blütenpracht der nächsten Saison. Sie brauchen viel Platz, um sich auszudehnen, und klettern gern an Bäumen und in lockeren Sträuchern.
“WIE SCHNEIDEN SIE IHRE ROSEN?” Die Fragen um den Rosenschnitt sind am besten durch die Praxis zu erklären. Bei Interesse kann man je nach Jahreszeit einen Termin für eine “Schnittführung” vereinbaren.




Adresse:
Antikhof Legau
Familie Kaube-Schramek
Steinbacherstraße 18
87764 Legau
Tel. 08330/789
Mail: silvia.life@web.de




Dieser Artikel ist im Sommerheft 2011 von "Die Allgäuerin" unter dem Titel "Ein Garten für die Seele" erschienen

















Freitag, 1. Februar 2013

Gartengeschichte in Kürze


Die Sehnsucht nach dem Paradies auf Erden


„Jeder Garten ist ein imaginiertes Paradies. Es ist ein Gartenparadies, das die Persönlichkeit desjenigen Menschen in sich trägt, der es angelegt hat, und – ob deutlich sichtbar oder nicht – auch die lange Geschichte der Gartenkultur“

Zitat von Nadine Olonetzky, aus dem Vorwort zu „Sensationen – eine Zeitreise durch die Gartengeschichte“




Die Wiege der Gartenkultur
liegt im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Hier legten  die Sumerer etwa ab 4000 vor Christus mit Hilfe von künstlicher Bewässerung Jagdparks und Dattelpalmgärten an, wilde Pflanzen wurden in Kultur genommen und ortsfremde Pflanzen und Tiere dort angesiedelt. 
Das sumerische Wort „edin“ bedeutet „fruchtbares oder bewässerungsfähiges Land“. Die Genesis, die zwischen dem 10. und 6. Jahrhundert vor Christus niedergeschrieben wurde, situiert den Garten Eden in dieser Gegend. Im Hebräischen bedeutet „gan eden“ Garten des Wohlergehens, der Freude. 
In allen drei monotheistischen Weltreligionen wird das Bild der idealen Welt mit einem Garten verbunden.





"Über die Jahrhunderte der Kulturgeschichte hinweg gab es auch im 'Grünen Bereich' stets neue Entwicklungen, Vorlieben, Moden, geänderte Nutzungsansprüche. Das umzäunte Stückchen Land diente mal zur Versorgung mit Nahrungsmitteln, mal zur Lust und Zierde, war hier ein Ort der beschaulichen Muße, dort Rahmen für rauschende Feste. Klare Geometrie wechselte mit freien Formen, schwelgerische Üppigkeit mit minimalistischer Strenge. Jede Epoche kannte besondere Gestaltungselemente, Dekorationsstücke, Möbel und natürlich: Pflanzen. Tulpen, Aurikeln, Rosen, Zuckerhutfichten repräsentieren Gartenmoden im Wandel der Zeiten" (Interessengemeinschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V. zum Thema der Illertisser Gartenlust 2010)





GARTENGESCHICHTE IN DEUTSCHLAND 


In einem der ältesten, noch stammesgermanischen Gesetzbuch, dem Lex Salica, von dem Frankenkönig Chlodwig diktiert und niedergeschrieben von 507 bis 511, ist bereits ein Hausrecht überliefert das auch den Garten mit einschließt. Garten und Haus bildeten einen eigenen Friedens- und Rechtsbereich, den Unbefugte nicht betreten durften.

Bei Diebstählen aus dem Obstgarten musste Wiedergutmachung und Geldbuße geleistet werden, milder bestraft wurde Diebstahl aus dem Gemüsegarten. Das zeigt zum einen, dass schon vor eineinhalbtausend Jahren der bäuerliche Garten in einen Baumgarten und einen Gemüsegarten aufgeteilt war, zum anderen wie wertvoll damals der Obstgarten angesehen wurde. Zum Glück weniger aktuell ist das im Lex Salica erlassene Verbot, Pfeile in den umzäunten Gartenbereich zu schießen oder Speere hinein zu werfen.

Eines der ältesten europäischen  Gartendokumente stammt von dem Dichter und Benediktinermönch Walahfried Strabo, dem späteren Abt des Klosters Reichenau. Um 827 schrieb das Gedicht „Liber de cultura hortorum (Buch der Gartenkultur), meist kurz als „Hortulus“ bezeichnet. Neben rein praktischen Tipps zur Gartenarbeit geht es schon bei Strabo auch um den Garten als Ort der Lebensfreude.
Im dreizehnten Jahrhundert verfasste der deutsche Theologe und Philosoph Albertus Magnus, Erzbischof von Köln, ein Werk für die Anlage eines reinen Lustgartens zur Erholung, in dem der Garten als Ausdruck der göttlichen Schöpfungskraft gesehen wird – ein Paradies auf Erden. Bepflanzte Rasenbänke zum Rasten und Plaudern sind die Mode der Zeit. Gärten sind in kirchlichen, adeligen, bäuerlichen und städtischen Lebensbereichen ein Teil des Alltags, viele mittelalterliche Gemälde zeigen Gesellschaften, die in diesen „Lustgärten“ flanieren und feiern.

Der „klassische“ Bauerngarten
, in der Form wie man ihn sich heute vorstellt – mit viergeteilten Beetanlagen, Einfassungen aus Buchs, dem Rondell in der Mitte und den Blumenrabatten entlang der Einzäunung enthält viele Elemente des Klostergartens. Als „idealer Garten“ wurde eine nach diesem Plan erstellte Anlage 1913 im botanischen Garten Hamburg errichtet.


DIE IDEE DER VOLKSGÄRTEN

Der „Englische Garten“ in München ist einer der ersten öffentlichen Parkanlagen – vorher standen diese Parks nur den Angehörigen der Höfe offen. Er wurde Ende des 18.Jahrhunderts  vom Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz „zur allgemeinen Ergötzung“ und als „gemeinnütziges Kunstwerk“ als öffentlicher Park im englischen Stil angelegt. Zunächst diente er allerdings teilweise als Militärübungsgelände für die nahe gelegene Militärakademie und ein Teil der Fläche war als Kartoffelacker für Kriegszeiten eingeplant. Ab 1804 lag die Gestaltung des um die 113 Hektar der „Hirschau“ erweiterten Geländes in den Händen des Hofgärtners Friedrich Ludwig von Sckell, der ihn zu einem „Volksgarten“ umgestaltete.
Nach Sckells Vorstellungen sollte der Park „zum traulichen und geselligen Umgang und zur Annäherung aller Stände“ dienen, „die sich hier im Schoße der schönen Natur begegnen.“ 


ÜBERGANG ZUR NEUZEIT - DIE ERFINDUNG DES RASENMÄHERS

Diese praktische Erfindung läutet quasi die „modernen Zeiten“ im Garten ein. Erfunden hat ihn der englische Textilingenieur Edwin Beard Budding 1830. Er kam auf die Idee, das Prinzip einer in Webereien eingesetzten Maschine, die zum Abschneiden von vorstehenden Fasern an Stoffen diente, auf zu hoch stehende Grashalme zu übertragen. Der von ihm konstruierte Spindelrasenmäher ist in ganz ähnlicher Form heute noch als Handrasenmäher und auch motorisiert erhältlich.
 
Eine Zeitreise durch die Gartenarchitektur 
DIE VERBINDUNG VON GARTEN UND ARCHITEKTUR

Zwei berühmte stilbildende Gartenplaner waren von Beruf sowohl Gärtner als auch Architekten: André Le Notre (1613 bis1700), Spross einer berühmten Pariser Gärtnerfamilie, studierte zunächst Malerei und Architektur, bevor er sich der Gartengestaltung widmete – die nun mit den anderen Künsten gleichgestellt wird.
William Kent, wie der berühmte Le Notre Maler, Architekt und Gartenarchitekt, aber im Gegensatz zu dem Franzosen ein erklärter „Feind der Geraden“, gestaltete 1735 den Garten „Stowe“ in Buckinghamshire als malerische Naturidylle und setzt damit neue Maßstäbe für den Stil des „englischen Gartens.“




Während der zunehmenden Verstädterung zur Zeit der Industrialisierung waren Hausgärten vorwiegend reichen Villenbesitzern vorbehalten. Jedoch entstanden schon im 19. Jahrhundert Ansätze, die den „Garten für jedermann“ forderten. Ein Haus mit Garten sollte den entwurzelten Industriearbeitern, die ja meist erst aus ländlichen Gebieten zugezogen waren, ein Stück Heimat und eine Grundlage zur Selbstversorgung geben. Um 1900 entstand die Idee der „Gartenstadt“. Es wurden durchgrünte Vorstädte geplant, für deren Umsetzung meist namhafte Architekten beauftragt wurden. Erst 1929 jedoch wurde in Berlin ein eigener Studiengang für Gartenarchitektur eingerichtet – ein junger Berufsstand für eine alte Kunst…. 

VON „GRÜN KAPUTT“ ZUM GARTENBOOM


Nach dem zweiten Weltkrieg geriet das Thema Garten in Deutschland immer mehr in den Hintergrund. „Pflegeleicht“ war die Devise, autofreundlich asphaltierte Flächen galten auch auf dem Land als modern, im Garten waren kurz geschorener Rasen und ein paar immergrüne Koniferen angesagt. Begrünte städtische Innenhöfe verkamen im Zuge zunehmender Motorisierung zu geteerten Abstellflächen. 

Grün Kaputt – Landschaft und Gärten der Deutschen“ hieß eine erfolgreiche Fotoausstellung (und das Buch dazu), die den katastrophalen Landschaftsverbrauch 1982 drastisch zeigte. 


Es gibt noch Restexemplare von "Grün kaputt" 
Nicht das die Umweltprobleme seitdem gelöst wären – aber die Lust am Gärtnern haben die Deutschen wieder entdeckt. Allein der Blick auf ein gut sortiertes Zeitschriftenregal weist darauf hin – inzwischen gibt es allein über 40 deutschsprachige Publikumszeitschriften, die sich mit dem Thema Garten befassen. Jedes Jahr erscheint eine unübersichtliche Menge an neuen Gartenbüchern, unter denen man sich lust- oder mühevoll die interessantesten Titel heraussuchen kann.  Wir können uns mit Themengärten, Farbgärten, Naturgärten, vertikalen Gärten, japanischen Gärten oder Instant gardening beschäftigen, überall im Land Gartenfestivals besuchen, die ausgefallensten Pflanzen in Spezialgärtnereien erwerben.
 Gärtnern ist in Deutschland richtig schick geworden, in England hat sich sogar der (lobende) Begriff „German Style“ für einen speziellen Stil der Pflanzungen gebildet.
Dabei eint uns in der Liebe zu den Gärten durch die Jahrtausende immer noch das gleiche Streben: die Sehnsucht nach dem irdischen Paradies.



Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...