Gartenkunst

Gartenkunst geht über die Nutzbarmachung von Land hinaus zur ästhetischen Gestaltung - sie ist die Verbindung von gärtnerischer Arbeit und künstlerischer Kreativität


Montag, 30. September 2013

Gartenglück im Herbst mit Astern




Wenn die meisten Prachtstauden schon verblüht sind, sorgen die Herbstastern für einen leuchtenden Abschluss der Gartensaison. Fast in jedem Bauerngarten lehnen die langbeinigen Blütenwunder am Zaun und verbreiten ein herbstlich-romantisches Flair.
Die meisten der häufig in der Nachbarschaft und auch über Generationen immer wieder geteilten und weitergegebenen „Bauerngartenastern“ dürften zu den Rauhblatt-Astern (Aster novae-angliae) gehören. Sie haben samtig behaarte Blätter und im Gegensatz zu den weniger robusten Glattblatt-Astern (Aster novi-belgii) schließen die meisten nachts ihre Blüten. Beiden Arten gemeinsam ist, dass sehr hoch werden und zu „nackten Beinen“ neigen – schon während der Blütezeit stirbt das Laub unten an den Stängeln ab. Deshalb sollte man sie in Beeten eher in den Hintergrund pflanzen und ihnen in der Höhe abgestufte Begleitstauden zugesellen – sehr schön macht sich z.B. die Kombination mit Phloxen, wenn man bei den klassischen Bauerngartenpflanzen bleiben will. Wunderschöne herbstliche Gartenbilder lassen sich mit den hohen Astern in Gesellschaft mit Gräsern zaubern. Chinaschilf (Miscanthus), Rutenhirse (Panicum) und Lampenputzergras (Pennisetum) lockern den geraden, straffen Wuchs der Astern auf und bringen beschwingte Leichtigkeit in die Pflanzung. Im Wind tanzende Gräser kombiniert mit den leuchtenden Blütenfarben der Astern im herbstlichen Abendlicht sind ein Anblick den man nicht so schnell vergisst.
Nicht so hoch hinaus wachsen die Kissenastern (Aster dumosus), die sich im Grunde nur durch ihre Höhe von den Glattblatt-Astern unterscheiden – Sorten die bis 50 Zentimeter hoch werden bezeichnet man als Kissenastern, darüber hinaus zählen sie zu den Glattblattastern.


Astern pflanzen und pflegen
Die bisher erwähnten Astern sind allesamt Sonnenkinder, die sich an einem vollsonnigen Standort am besten entwickeln. Sie brauchen einen lehmig-humosen Boden mit guter Nährstoffversorgung und in Trockenperioden regelmäßiges Gießen. Bei Trockenheit und „stehender Luft“ entwickeln sie sonst leicht Mehltau. Bei  den hohen Astern geht man von einem Pflanzabstand zwischen 80 und 90 Zentimetern aus, ein bis zwei Pflanzen reichen für einen Quadratmeter. Kissenastern sollte man mit einem Mindestabstand von 30 Zentimetern pflanzen. Mit einem alten Gärtnertrick kann man die Blütezeit der Astern verlängern, indem man einen Teil der Triebe vor der Knospenbildung um zehn bis 20 Zentimeter einkürzt. Diese auch bei Phloxen gern verwendete Maßnahme erhöht zudem die Standfestigkeit. Spätestens wenn die Horste anfangen von der Mitte her abzusterben, am besten spätestens nach vier Jahren, sollte man die Pflanzen ausgraben, teilen und in guter Erde wieder auspflanzen. Astern pflanzt man am besten im ersten Halbjahr, damit sie Zeit genug haben sich am neuen Standort einzuleben und Überwinterungsknospen entwickeln. Bei Herbstpflanzung kann es je nach Verlauf des Winters zu Ausfällen kommen.


Herbstliche Pracht mit Astern und Gräsern

Astern für natürlich wirkende  Pflanzungen
In den letzten Jahren hat sich das Sortiment an verschiedenen Astern ständig vergrößert. Neben den großblütigen Arten gibt es inzwischen kleinblütige Astern und Wildastern, die mit ihren zarten Blütensternen gut in natürlich wirkende Pflanzungen passen. Einige davon fühlen sich im Halbschatten oder an sonnigen Gehölzrändern wohl. Dazu gehören Sorten der Gruppe Aster ageroides (Wildastern) und die (Halb)Schatten liebenden Aster cordifolius (Waldastern), darunter die empfehlenswerte reinblaue Sorte ‚Little Carlow’ und  die schon 1907 in Möllers Deutscher Gartenzeitung lobend erwähnte hellviolettblaue ‚Photograph’. Für naturnahe Gartengestaltung an sonnigen Plätzen empfehlen sich die Bergastern (Aster amellus) und die selteneren Alpenastern (Aster alpinus). Sie bringen von August bis September Farbe in Stein- und die heute modernen Kiesgärten. Sie brauchen einen kalkhaltigen, durchlässigen Boden und einen sonnigen, trockenen Standort. Am besten pflanzt man die wärmeliebenden Stauden im Frühjahr damit sie Zeit haben sich zu akklimatisieren und an ihrem neuen Standort gut einwurzeln.



Aster dumosus 'Blauer Gletscher'

Blühende Astern von Mai bis November

Die Astern sind eine große Pflanzenfamilie, es gibt mehrere hundert Wildarten die in Europa, Asien und Amerika verbreitet sind. Die erste Darstellung einer Aster in Europa stammt aus dem Buch „Hortus Eystettensis“ von 1613. Hier ist die später als Aster linosyris bezeichnete Pflanze noch  unter dem Namen „Gülden Leinkraut“ (Linaria aurea) aufgeführt. In Pflanzenbüchern bis ins 19. Jahrhundert hinein werden Astern als „Sternblumen“  oder auch Sternkraut bezeichnet. Unter all diesen Arten gibt es auch viel schon im Frühling ab Mai blühende und sommerblühende Varianten. Wer die Vielfalt der Astern näher erforschen will, dem empfehle ich den Band "Astern" von Werner Schöllkopf  aus dem Verlag Ulmer. Es ist ein sehr botanisch/wissenschaftlich orientiertes Buch, in dem es weniger um aktuelle Gartensorten, sondern um eine fundierte Beschreibung der ungeheuer vielfältigen Variationen der Astern geht. Natürlich erfährt man hier auch alles Wissenswerte zu den Standortbedingungen - unabdingbar für den Erfolg im eigenen Garten. 




Sortentipps

Aster (x) versicolor 'Altweibersommer' - Kleinblütige Herbst-Aster                                      
Eine widerstandsfähige, sehr wüchsige (Achtung, Ausläufer!) Sorte mit langer Blütezeit und beachtlicher Standfestigkeit. Ihre von August bis Oktober erscheinenden fliederfarbenen Blüten wirken zart und wildblumenartig. Die Sorte wird zwischen 70 und 110 Zentimeter hoch.

Aster (x) amethystinus 'Freiburg' - Kleinblütige Herbst-Aster
Überaus reich blühende und hoch wachsende Herbstaster mit zarten Einzelblüten, die sich zu einer schleierförmigen Blütenwolke zusammenfügen. Sie ist sehr standfest, vital und  resistent gegen Krankheiten. Diese Aster liebt einen sonnigen Standort mit humosem, frischem Boden. Aster x amethystinus zählt zu den nordamerikanischen Astern und wächst an ihrem natürlichen Standort vor allem in Feuchtgebieten. ‚Freiburg’ wird 140-180 Zentimeter hoch, ihre lavendelblauen Blüten zeigt sie von Oktober bis November.


Aster cordifolius 'Little Carlow' - Blaue Wald-Aster
Aster cordifolius 'Little Carlow' -

Die Blaue Wald-Aster eignet sich besonders gut für die Verwendung am lichten halbschattigen Gehölzrand, sie kommt aber auch mit sonnigen Standorten gut zurecht. Die lockeren Rispen mit den vielen reinblauen Blüten wirken passen gut in naturnahe Pflanzungen. ‚Little Carlow’ wird 80-100 Zentimeter hoch und blüht von August bis Oktober.



Aster divaricatus - Weiße Wald-Aster
Trockenheits- und schattenverträgliche robuste Wild-Aster mit hübschen weißen Blütensternen und sehr dekorativen silbrigen Samenständen. An einem sonnigen Standort wächst sie aufrecht, im Schatten breitet sie sich liegend aus. Sie wirkt sehr schön zusammen mit Bergenien. Die weiße Wald-Aster bildet schnell größere Bestände und toleriert Wurzeldruck. Damit eignet sie sich hervorragend als Bodendecker an schattigen Standorten unter Gehölzen. Sie wird 40-60 Zentimeter hoch und blüht von August bis September.

Aster dumosus 'Blaue Lagune' - Kissen-Aster                                                                                                                                          'Blaue Lagune' ist eine großblütige und wüchsige Sorte mit leuchtend blauen Blüten. Sie erreicht eine Höhe von 50 Zentimetern und blüht von August bis September.

Aster dumosus 'Herbstgruß vom Bresserhof'
Aster dumosus 'Herbstgruß vom Bresserhof' - Kissen-Aster                                                       Diese ausgezeichnete vitale und wüchsige, sehr reich blühende Sorte hat kräftig rosa- bis lilarosa Blüten. Die Sorte wird 35-40 Zentimeter hoch und blüht von August bis September. 'Herbstgruß vom Bresserhof'  hat eine sehr gute Blattschmuckwirkung und eignet sich hervorragend für einen Platz in der ersten Reihen im Staudenbeet.

Aster novae-angliae ‚Herbstschnee’                  ‚Herbstschnee’  ist die einzige weißblühende Raublatt-Aster. Mit einer Blütezeit von August bis September zählt sie zu den früh blühenden Raublatt-Astern. Noch eine Besonderheit: draußen schließen sich ihre Blüten nachts, in der Vase bleiben sie jedoch offen. ‚Herbstschnee’ wird bis zu 120 Zentimeter hoch.

Aster pringlei ‚Pink Star’ Myrten-Aster (Aster ericoides)
‚Pink Star’ ist eine sehr standfeste, lange blühende, äußerst gesunde und robuste Myrten-Aster, die sich mit ihren verzweigten Blütenständen hervorragend als Schnittblume eignet. Ihre Blüten sind etwas größer sind als die der Aster ericoides-Sorten, wirken aber dennoch leicht und filigran. ‚Pink Star’ wird bis zu 100 cm hoch und blüht von September bis Oktober.

Aster pringlei ‚Pink Star’

In meinem Garten werden es jedes Jahr ein paar Astern mehr - denn wann sind die Blüten kostbarer als im Frühlingsanfang und im späten Herbst?
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