Gartenkunst

Gartenkunst geht über die Nutzbarmachung von Land hinaus zur ästhetischen Gestaltung - sie ist die Verbindung von gärtnerischer Arbeit und künstlerischer Kreativität


Sonntag, 3. Februar 2013

Rosengarten Legau - ein Garten für die Seele




Die Villa der alten Handschuhfabrik Schmidl in Legau ist gleich zu erkennen – kein anderes Haus im Ort hat eine in  leuchtendem Türkis gestrichene Fassade. Zu dem heute als “Antikhof Legau” bekannten Anwesen gehört ein um die 5000 Quadratmeter großes Grundstück, das die Besitzer im Lauf der letzten 18 Jahre in einen zauberhaften Garten verwandelt haben. Hier leben Silvia und Robert Kaube-Schramek, inzwischen ist auch die gemeinsame Tochter Genai mit ihrem Lebensgefährten hierher zurück gekehrt.  
Fünf Jahre lang suchten die Schrameks nach einem Ort,  der genügend Platz für Sylvias Atelier und Roberts Antiquitätenhandel bot. 1994 wurden sie in Legau  fündig. Zunächst mußte natürlich Villa renoviert werden, aber schon bald  wurde mit Hilfe der Waldjugend eine Hecke aus heimischen Wildsträuchern und Vogelschutzgehölzen um das Grundstück gepflanzt und so von den anschließenden landwirtschaftlich genutzen Flächen abgegrenzt. Inzwischen ist die Hecke hoch gewachsen und bietet nicht nur vielen Vögeln eine sichere Unterkunft, sondern auch einen guten Windschutz.




Oft werden Schrameks gefragt, wer ihnen diesen Garten angelegt hat, aber er ist langsam und in Eigenarbeit gewachsen.“Mit genügend Geld kann man einen Garten nach Plan anlegen lassen und bis zum Pflanzenkauf und dem Setzen alles delegieren” meint Robert Schramek, “aber wir mußten sehr darauf schauen, was finanziell machbar war”.
Aus dem Grundbedürfnis, es sich schön zu machen, wurde ein Bereich nach dem anderen “nach Gefühl” gestaltet. Angefangen hat es direkt am Haus, dann wie es Zeit und Geldbeutel erlaubten immer ein paar Meter weiter.
Silvias künstlerische Ader kommt in der Gartengestaltung zum Ausdruck, ihre Intuition, ihr Gefühl für Kunst, für Farben und Energien ist überall spürbar. Auch Roberts Antiquitätenhandel kam der Sache entgegen: viele eigentlich für den Verkauf gedachten Stücke wurden gleich in den Garten entführt. Manche Stücke dienen draußen als Anschauungsmaterial, von anderen wollen sich die Schrameks nun gar nicht mehr trennen. Die Hollywoodschaukel etwa ist inzwischen so eingewachsen, dass sie zum festen Inventar gehört.




ZAHLREICHE RAMBLERROSEN UND VIELE SKULPTUREN SCHAFFEN DIE ATMOSPHÄRE EINES “MÄRCHENGARTENS”
 - da findet man eine badende Nymphe, ein turtelndes Liebespaar, ein Blumenmädchen, Gnomen, Elfen und Zwerge. Ein Reh und ein Hase vertreten die steinerne Tierwelt, ein großer “Blumenengel” wacht über den Kräutergarten.


Karakteristisch für das parkähnliche Gelände sind neben den Sträuchern, Bäumen und Skulpturen die Mischung aus Kräutern, Blumen, einheimischen Wildpflanzen und Rosen.
Königskerzen, Lavendel, Storchschnabel, Minzen, Katzenminze, Dalmatiner Salbei, Nachtkerze, Baldrian, Ysop, Bohnenkraut, Bartnelken, Kornblumen, Sauerampfer, Fingerhut, Erdbeeren, Frauenmantel, Mohn, Johanniskraut, Knoblauch, Marghariten und  viele andere Pflanzen tummeln sich in in bunten Gesellschaften an verschiedenen Plätzen. “Wir lassen den Garten viel vorgeben, es geht nicht nach einem vorgegebenen Plan. Meist schauen wir erstmal, was wo wachsen will – was kommt wo, was ist das?” erklärt Silvia. Diese Art zu gärtnern macht natürlich mehr Arbeit, denn man kann nicht mal rasch “die Beete säubern”, sondern muss den Sämlingen Zeit geben,  bis man erkennt, was für Pflanzen sich daraus entwickeln. So entstand aus einem Haufen mit Aushub, den sich wilde Pflanzen und Sämlinge aus dem Kräutergarten schnell erobert haben, ein wie absichtlich angelegtes erhöhtes Beet, in das dann noch einige Rosen gesetzt wurden.
Die sieben Hauskatzen der Schrameks genießen diesen Garten genauso wie die kleine Heidschnucken Familie, die einen Teil der Rasenfläche kurzhält und Mist für den Garten liefert, welcher in gut abgelagerter Form im Herbst als Dünger ausgebracht wird.




Es ist nicht überall nett und aufgeräumt in diesem naturnahen Garten, eine “Herbstsäuberung” gibt es auf diesem Gelände nicht, die verwelkten Pflanzenteile bleiben über den Winter stehen. “Das schützt die Stauden und dient den Vögeln als Futter” meint Silvia, die erst im Frühjahr die Reste entfernt. Auch die alten gusseisernern Stühle mit dem Rosenmuster und der dicken rostigen Patina sind nicht jedermanns Sache – viele würden sie sicher abschleifen und lackieren wollen, aber bei Schrameks bekommen sie im Frühjahr statt dessen einen pflegenden Anstrich mit Leinöl.

DIE ROSEN SIND DIE LEITPFLANZEN
und Silvias ganze Leidenschaft: mehr als 300 Sorten hegt und pflegt sie inzwischen.


Die Liste der Sorten liest sich wie das who is who der Rosenzucht. Am wenigsten vertreten sind dabei die lang blühenden modernen Sorten, die sich hauptsächlich im “Innengarten” direkt an der Terasse versammeln. Die orange leuchtende Strauchrose “Westerland”,  die unverwüstliche “Bonica”, “Hildesheim” mit ihren kleinen lachsfarbene Blüten von Sommer bis November, die fast blaue “Rhapsodie in Blue” und einige mehr versuchen hier das Herz ihrer Gärtnerin zu gewinnen. Deren Liebe gilt aber mehr den historischen Rosensorten, den hochrankenden Ramblern und ganz besonders den anspruchsvollen, als “englische Rosen” bekannten Sorten des berühmten englischen Züchters David Austin.
Benjamin Britten, Winchester Cathedral, Brother Cadfael, Spirit of Freedom, Lichfield Angel, Crocus Rose, The Pilgrim, Young Lucides, Jubilee Celebration und die einmal blühende, ungefüllte Shropshire Lass sind “englische” Lieblinge, die Silvia spontan einfallen. Und dann natürlich noch St. Swithum mit ihrem Myrrheduft, und die wunderschöne Sharifa Asma, und das sind noch lange nicht alle.
BEI DEN ALTEN ROSEN HAT MAN DIE GARANTIE, DASS SIE GUT WACHSEN” erklärt die Gärtnerin, bei den modernen und den englischen Rosen hat sie die Erfahrung gemacht, dass es sehr auf die einzelne Pflanze ankommt. Unter den englischen Sorten sind die am wüchsigsten, die aus direkten Kreuzungen mit alten Rosen hervorgegangen sind.


Oft würden sich die üppig wachsenden Containerrosen, die meist im Gewächshaus unter optimalen, geschützten Bedingungen heranwachsen, im Garten nicht so gut entwickeln.
Wichtig bei den anspruchsvollen Sorten sei, ihnen ein großes Pflanzloch mit der besten Erde herzurichten, damit sie gleich einen guten Start haben. Die besten Erfahrungen hat Silvia mit direkt beim Züchter bestellter so genannter “Wurzelware” gemacht.
Die historischen Rosen kann man hier nicht nur annähernd aufzählen, es sind Vertreter fast aller Rosenfamilien dabei, Rosa alba, Rosa gallica, Portlandrosen, Remontantrosen.  Der Höhepunkt im Gartenjahr ist etwa Mitte Juni, wenn die meisten der historischen Sorten von ihnen blühen einmal im Jahr sehr üppig und mit berauschenden Düften.
AM BERAUSCHENSTEN IST DER GARTEN ETWA MITTE JUNI, wenn die einmal im Jahr blühenden alten Rosen und die Rambler ihr Blütenfeuerwerk zünden.
Besondere Lieblinge der Schrameks unter den romantischen Ramblern sind Maria Lisa, Duke de Cambridge, die fast sechs Wochen lang blühende Bleu magenta und Felicitée Perpetue.
Eine gut gebändigte “Bobby James” erklimmt das Haus – ohne den regelmäßigen Rückschnitt würde es dieser Kletterkünstler unter den Rosen schaffen, die Villa in ein undurchdringliches Dornröschenschloß zu verwandeln. Schon mancher, der diese Rose in seinen Garten holte, hatte hinterher mit ihrer Wuchskraft zu kämpfen. Mit ihr kann man mühelos ganze Scheunenwände verkleiden, man sollte sie aber nicht sich selbst überlassen.
Inzwischen hat Silvia die Kunst nicht nur in den Garten getragen, sondern umgekehrt liefert dieser wieder Vorlagen für Bilder. Anstatt Gartenszenen zu malen, hält die Gärtnerin die märchenhaften Stimmungen gerade des abendlichen und nächtlichen Gartens mit einer einfachen kleinen Digitalkamera fest. Auf Leinwand gedruckt und auf Holzrahmen gezogen hat sie so surreale, zauberhafte Bilder geschaffen.
2010 haben Schrameks entschlossen, ihren Garten im Sommer  für interessierte Besucher
zu öffnen. Nach Absprache kann der Garten von Mitte Juni bis Mitte September besucht werden, auch Gruppen von Gartenbau- und anderen Vereinen sind mit rechtzeitiger Anmeldung gern willkommen. Eintritt verlangen die Schrameks bisher nicht, “aber Spenden sind erlaubt” meint Robert Schramek schmunzelnd. 





PFLEGETIPPS FÜR´S ROSENGLÜCK
Als wichtigste Pflegemaßnahme sieht Silvia das Mulchen an. Das Bedecken des offenen Bodens um die Rosen mit Grasschnitt hält die Feuchtigkeit im Boden, die Bodenstruktur krümelig und durchlässig, liefert Nahrung für das Bodenleben und wird zu düngendem Kompost abgebaut. Mit jedem Rasenmähen werden wieder einige Rosen versorgt, so weit der Rasenschnitt eben reicht. Bis die Reihe wieder die erste Fläche kommt, dauert es etwa vier Wochen, bis dahin ist der Mulch vom letzten Mal schon fast verschwunden. Etwa fünf bis sieben Zentimeter hoch wird die Schicht aufgetragen.
Im Herbst werden die meisten Rosen nur mit gemähten ( zusammengekehrten, mit dem Rasenmäher zerhäckselten) Blätter eingepackt.
Im Frühjahr, von Mitte März an, wird das Laub auf die Seite geschoben,  Dünger ausgestreut und das Laub wieder aufgebracht. Bis der Rasenschnitt wieder als Mulch zur Verfügung steht, ist das meiste schon verrottet, der Rest wird dann in der Hecke verteilt.
Gedüngt werden die mehrfach- oder dauerblühenden Sorten bis zu dreimal, zwichendurch bekommen sie noch Brenneselbrühe. Die einmal blühenden alten Rosen brauchen natürlich weniger “Futter”, sie schießen bei Überernährung auch zu sehr ins Kraut. Anfang bis Mitte der Saison gibt es eine Gabe Hornspäne für alle, ansonsten handelsüblichen Rosendünger. Ab Ende Juli wird nicht mehr gedüngt, um die Holzreife nicht zu verhindern.  
                                                                                                                                                     RAMBLER ÜBERWINTERN
Die Triebe der noch jungen Rambler und Kletterrosen werden nach Möglichkeit im Herbst auf den Boden gelegt und abgedeckt. Bei älteren Ramblern hat Silvia ihre eigenen Methode entwickelt: statt wie früher die alten Triebe im Herbst abzuschneiden und die jungen aufzubinden, was in harten Wintern oft zum völligen zurückfrieren führte, läßt sie die noch weichen jungen Triebe ganz in Ruhe. Diese senken sich nach unten und sind im Winter meist schneebedeckt und so vorm Erfrieren geschützt. Erst im Frühjahr, wenn keine harten Fröste mehr zu erwarten sind, legt sie alle Triebe fächerartig auf dem Boden, sortiert sie sorgfältig auseinander, schneidet die alten aus und bindet die Jungtriebe wieder an ihr Gerüst. “Man muss es aushalten, dass die Pflanzen im Herbst und Winter stakelig wirken” meint sie, eine für sehr ordnungsliebende Gartenbesitzer sicher schwere Übung. Aber mit dieser Methode spart man sich umständliches Einwickeln der Rosenbögen und wird mit den dichtesten Blütenranken belohnt.

“WOHER NEHMEN SIE DENN DIE ZEIT?” - HÄUFIGE FRAGEN
manche Fragen müssen die Schrameks ihren Gartenbesuchern immer wieder erklären.  Um den Beiden etwas Zeit zu sparen, beantworten wir für unsere Leser schon mal einige dieser Fragen vorab. Um das Mulchen, das Düngen und die Überwinterung ging es ja schon weiter oben im Text.




“Oft fragen mich die Leute bei Führungen, wie wir die Zeit für den Garten haben. Aber Zeit ist für alle gleich, jeder hat 24 Stunden am Tag - es kommt auf die Prioritäten an. Wenn man Gartenarbeit als Last sieht, geht es nicht” sagt Robert Schramek, der seine Freizeit inzwischen auch lieber im Garten werkelnd verbringt, als sich anderswo Entspannung zu suchen. Wenn man ihn so mit der Schubkarre durchs Gelände ziehen sieht, wirkt er nicht wie der ausgebildete Jugend- und Heimerzieher, der schon mit einer Gruppe lernbehinderter Jugendlicher aus dem Ursberg an den Specialolympics in den USA teilgenommen hat.
WAS MACHEN SIE GEGEN BLÄTTLÄUSE?“
„Blattläuse sind der gedeckte Tisch für Vögel, Marienkäfer und ander Tiere. Wo sie überhand nehmen, schütteln oder streifen wir sie ab“ erklärt Silvia, die dabei dann auch vom faszierenden Lebenszyklus der lebend gebärenden Insekten zu erzählen weiß. Und dass Ameisen Blattläuse züchten, sei ein völliger Unsinn. Keine Frage, dass sie auch diesen staatenbildenden kleinen Tierchen ihr Auskommen im Garten gönnt.
“WIE IST ES MIT PILZERKRANKUNGEN AN DEN ROSEN?”
Gut gemulchte, gut ernährte Rosen sind weniger krankheitsanfällig als darbende Exemplare. Bei geringem Befall werden die befallenen Blätter einfach abgeschnitten. Eine praktische, weil zeitsparende Erfindung ist dafür eine Spezialschere mit Klemmfunktion, die abgeschnittene Blätter und Blüten festhält. So kann man in der anderen Hand einen kleinen Korb oder Eimer halten und das Schnittgut direkt dort hineinwerfen. Vorzugsweise die englischen Rosen werden mit Schachtelhalmbrühe gespritzt, bei Mehltaubefall reicht oft schon ein Durchgang.
Zur Herstellung der Schachtelhalmbrühe wird ein Topf voll frischer Schachtelhalm mit Wasser aufgegossen, 24 Stunden stehen gelassen, aufgekocht und zum Spritzen im Verhältnis eins zu fünf mit Wasser verdünnt. Schachtelhalmpräparate gibt es auch als Pulver oder flüssig zu kaufen.
“WAS IST REMONTIEREN?”
Als remontieren bezeichnet man die Eigenschaft, nach einer Hauptblütezeit später noch eine Nachblüte zu zeigen. Die vielgestaltige Rosenklasse der Remontantrosen ist das Bindeglied zwischen den alten und den modernen Rosen. Viele von ihnen haben noch den kräftigen, überhängenden Wuchs der alten Rosen.
“WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN RAMBLERN UND KLETTERROSEN?”
Ramblerrosen, auch als Schlingrosen bezeichnet, sind eine sehr wuchskräftige Rosegruppe, die mit vielen weichen, langen Trieben aus der Basis heraus wachsen. Was man bei anderen Rosen als Wildtriebe ausschneiden würde, ist bei den Ramblern die Basis für die Blütenpracht der nächsten Saison. Sie brauchen viel Platz, um sich auszudehnen, und klettern gern an Bäumen und in lockeren Sträuchern.
“WIE SCHNEIDEN SIE IHRE ROSEN?” Die Fragen um den Rosenschnitt sind am besten durch die Praxis zu erklären. Bei Interesse kann man je nach Jahreszeit einen Termin für eine “Schnittführung” vereinbaren.




Adresse:
Antikhof Legau
Familie Kaube-Schramek
Steinbacherstraße 18
87764 Legau
Tel. 08330/789
Mail: silvia.life@web.de




Dieser Artikel ist im Sommerheft 2011 von "Die Allgäuerin" unter dem Titel "Ein Garten für die Seele" erschienen

















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