Gartenkunst

Gartenkunst geht über die Nutzbarmachung von Land hinaus zur ästhetischen Gestaltung - sie ist die Verbindung von gärtnerischer Arbeit und künstlerischer Kreativität


Samstag, 26. April 2014

Vom Garten direkt in die Küche - schöne neue Gartenkochbücher

Passend zu Sehnsucht nach dem Landleben sind inzwischen einige Kochbücher erschienen, in denen der Anbau von Gemüse direkt mit ihrer Verwertung in der Küche und hochkarätigen Rezepten verbunden wird. Vor zwanzig Jahren in meiner Zeit als Gemüsegärtnerin mit großem ländlichen Garten habe ich mir dringend solch ein Buch mit nach Jahreszeiten geordneten Gemüserezepten gewünscht!
Unser erstes Buch dieser Art im Küchenbuchregal war "Natürlich Jamie", erschienen 2007 und inzwischen schon ein Klassiker des Genres. Der englische Originaltitel "Jamie at Home" passt besser, man sieht neben den Rezeptfotos den sympathischen "Naked Chief" im Garten werkelnd, beim Grillen, zwischen den Tomaten im Gewächshaus und im Herbst bei der Jagd. Viele Kapitel werden mit einem Garten bezogenen Teil unter dem Motto "So ziehe ich.." (…Kartoffeln, Rhabarber, Sommersalate, Kohl und Rüben, Erdbeeren, Sommersalate, Tomaten…..Zwiebeln bis zu Wintergemüse) beendet. Unter den Rezepten sind viele mit Fleisch und auch einige mit Fisch.
Das Kapitel  "nützliche Infos" bietet auf vier dicht bepackten Seiten Jamies Lieblingsgemüsesorten, Adressen von Bezugsquellen und Webseiten zum Anbau. Von den vielen im Laufe der letzten Jahre nachgekochten Rezepten (bei uns ist der Mann der Küchenchef) waren bis jetzt alle ein Hit, hätten wir bei einem Fest einige Exemplare dagehabt, so hätten wir etliche davon verkaufen können weil die Gäste so begeistert waren. Mit diesem Buch hängt die Messlatte also hoch!

Der Callwey-Verlag stellt jetzt mit dem 2014 erschienen Band "Barbara kocht" quasi ein weibliches Pendant vor:

"Barbara kocht - 100 Rezepte aus meinem Garten" von Barbara Bonisolli
Schon beim Auspacken freue ich mich an dem mit 21x27,5cm recht großformatigem Band mit dem Foto der Autorin im Garten und dem Titel in Prägedruck. Die Rückseite verheisst "Landlust in 100 Rezepten"
Neben den 100 Rezepten "mit dem Besten, was der Garten zu bieten hat"gibt es viele gute Tipps zum Eigenanbau. Die Foodfotografin Barbara Bonisolli bewirtschaftet seit mehr als zehn Jahren einen großen Gemüsegarten und spricht somit aus Erfahrung. Ob der eigene Standort für den Anbau von Artischocken und Quitten, Auberginen und Tomaten geeignet ist muss der Leser entscheiden, aber alle anderen erwähnten Gemüse lassen sich in jedem Garten in Mitteleuropa anbauen. 
Barbara Bonisollis Vater ist Italiener mit der typisch italienischen großen Liebe zum guten Essen, viele ihrer Rezepte wie z.B. "Spinatpizza mit Frühlingszwiebeln und Ricotta", "Linguine mit jungen Artischocken" oder "Lauwarme Pasta mit Tomaten und Mozzarella" stammen aus der italienischen Küche oder von dieser inspiriert. 
Im Vorwort schreibt Bonisolli von den Dreckbergen, die ihre drei Kinder an Regentagen durch die drei Türen in den Garten hereintragen, vom "Glück des eigenen Gartens und vom größeren Glück, wenn Sachen aus diesem Garten herein in die Küche kommen". Dass die Brennnessel-Maultaschen sie dreimal glücklich machen, "Erstens, wenn man die Brennnesseln an der richtigen Stelle im Garten stehen lässt und sie in der Abendsonne betrachtet" spricht mir aus der Seele, denn für diesen Anblick kann ich mich auch sehr begeistern (auch wenn die wenigen Brennnesseln in meinem Garten nicht schön in der Abendsonne stehen).


Brennesseln in der Abendsonne Foto©Barbara Ehlert 2013
Der letzte Satz im Vorwort lautet "So ist mein Buch zu verstehen: eine Sammlung von Erfahrungen und guten Tipps - unter Freunden". Dieses Motto zieht sich durch den ganzen Band, der in der Danksagung mit der Widmung endet "Für meinen Vater Luigi Bonisolli". Da wird es mir sehr warm ums Herz…
Am Anfang des Buches gibt es ein  nach Jahreszeiten gegliedertes Register in dem auch die Specials zu den Themen Bienen, Pasta, Hühner und Brot sowie die auf verkürzten Seiten als Einschub gestalteten Sonderthemen rund um den Garten bei denen es unter anderem um Saatgut, Erde, Wasser, Ernte und Vorrat geht. Am Ende des Buches gibt es noch ein Register mit den Hauptzutaten von Äpfeln bis zum Rhabarber. Avocado, Geflügel (außer vielleicht ein Suppenhuhn), Lamm, Meerestiere und Ricotta stammen zwar nicht aus Bonisollis Garten, sind dort aber auch aufgeführt. Am Anfang der jahreszeitlichen Kapitel gibt es jeweils einen Index mit den einzelnen Rezepten. 

Lust auf ein Butterbrot mit frischen Radieschen? 


Die Rezepte klingen sehr verheissungsvoll, die meisten davon sind auch für nicht allzu ambitionierte Köche sehr gut zu realisieren - bodenständig, mit überschaubaren und leicht zu beschaffenden Zutaten und mit sehr einladenden Fotos bebildert.

Da es gerade so gut passt, haben wir das Rezept für die "Bärlauchblütenkapern" gleich ausprobiert. Sie sind bei uns gerade im richtigen Stadium, schon groß aber noch nicht zu kurz vor dem Aufgehen (wenn sie schon fast offen sind, platzen sie beim Blanchieren auf und der Kaperneffekt ist dahin).





Frisch gesammelte Bärlauchblütenknospen (die Mengenangabe ist für 80 Gramm, in dem Sud kann man aber nach und nach eine größere Menge blanchieren) werden gewaschen,





dann blanchiert man sie für zwei Minuten in einem Sud aus 550 ml Apfelessig, 350 ml Wasser, zwei Esslöffeln Salz  und einem Lorbeerblatt. Danach lässt man sie in einem Sieb abtropfen und auf einem Küchentuch eine Weile trocknen.





In der Zwischenzeit schneidet man eine Chilischote (ohne Samen und Scheidewände) in feine Streifen und schält die Schale einer Bio-Orange mit einem Zestenschneider ab.
Die angetrockneten Bärlauchknospen werden dann mit den Chilistreifen und den Orangenzesten in ein Glas gegeben und mit Olivenöl bedeckt. Nun kommt der schwierigste Teil: Abwarten und ziehen lassen!
Im Buch ist das alles in der Reihenfolge besser erklärt und natürlich gibt es neben dem Rezept eine genaue Zutatenliste.




Der Gartenaspekt weckt in mir große Lust, ein Stück Rasenfläche umzugraben um doch wieder Platz für Gemüseanbau zu schaffen. Andererseits gibt es bei uns auch ein großartiges Angebot an regionalem Bio-Gemüse, und dann kann man immer das kochen, worauf man gerade am meisten Lust hat…Die Grundzutaten für Rezepte mit Bärlauch, Rhabarber, Himbeeren, Holunder, Kräutern, Johannisbeeren und Zwetschgen liefert sogar unser Blumengarten zur gegebenen Zeit.
Für mich ein Herzensbuch für den eigenen Gebrauch und ein sehr schöner Geschenktipp für Freunde mit Liebe zum Kochen und Gärtnern.








Barbara Bonisolli
100 Rezepte aus meinem Garten
2014. 320 Seiten, 356 Farbfotos
21 x 27,5 cm, gebunden mit Leseband, verkürzte Seiten mit Papierwechsel
€ [D] 36,00 / € [A] 37,10 / sFr. 47,90

ISBN: 978-3-7667-2072-6

(der Link führt auf den Shop des Callwey Verlags)





Über die Autorin

Barbara Bonisolli ist erfolgreiche Food-Fotografin und moderiert ihre eigene Garten- und Kochsendung im Fernsehen. Seit über zehn Jahren lebt sie mit ihrer Familie, einer Katze, Laufenten, Hühnern und fünf Bienenvölkern am Starnberger See bei München und hat dort ihren Traum von einem Landgarten realisiert. Weitere Infos unter www.bonisolli.de


"Vegan regional saisonal - einfache Rezepte für jeden Tag" 
von Lisa Pfleger
Heute angekommen und deshalb was das Ausprobieren betrifft stark im Nachteil ist "Vegan regional saisonal - einfache Rezepte für jeden Tag" von Lisa Pfleger, erschienen im April 2014 im Verlag Ulmer. Von mir mit Spannung erwartet, weil ich dem Blog der beiden Selbstversorger Lisa und Michael schon eine ganze Weile folge und mich freue, dass es von Lisa nun ein eigenes Kochbuch gibt. 

Auch dieser liebevoll gemachte und schön bebilderte Band ist nach Jahreszeiten gegliedert. Es geht inhaltlich auch nicht um den Garten, sondern um Rezepte - das aber unter Verwendung selbst gezogener oder gesammelter Grundzutaten. So gesehen passt das Buch hier gut dazu. Dass Lisa in einer wärmeren Region lebt als ich sehe ich gleich an den Frühlingsrezepten - für die optisch sehr ansprechende "Flower Power Pizza" braucht man neben grünem Spargel und saisonalen Blüten auch frische Erbsen, die in meinem Garten im Frühjahr noch nicht reif wären. Beim ersten Durchblättern wird sofort klar, dass auch Veganer mit Schwerpunkt Selbstversorger nicht darben müssen, so bunt und abwechslungsreich sind die Rezepte. 
Schön als Detail und von hohem Nutzwert ist der Saisonkalender Gemüse und Obst vorn sowie der  Saisonkalender Wildpflanzen und Blüten hinten auf den Innenseiten des Buchdeckels.
Die jahreszeitliche Gliederung auf Seite vier und fünf ist unterteilt in die Bereiche "Suppe und Salat", "Hauptgerichte", "Brotzeit & Snacks" und "Süßes", dazu noch ein Oster- und ein Weihnachtsmenü. Ein Kapitel ist den Grundrezepten gewidmet. 
Ein Schwerpunkt sind Mehlspeisen, was zusammen mit dem recht "unverkrampften Umgang mit Zucker" typisch österreichisch wirkt. 
Warum eine Soße auf Mehlbasis bei den Grundrezepten als "Käse"soße (auch dort in Anführungsstrichen) bezeichnet wird ist mir unklar, denn sie hat auch geschmacklich sicher kaum Ähnlichkeit mit einer Käsesoße. Aber das nur am Rande.  Gewöhnungsbedürftig für alle, die mit genauen Gewichtsangaben kochen, sind die Mengenangaben in Tassen. Wie groß ist eine Tasse? Man kann es zurückrechnen und sich die passende Maßtasse im eigenen Haushalt aussuchen - wenn ein Päckchen Trockenhefe für 500 Gramm Mehl reicht und im Grundrezept 2,5 Tassen Mehl angegeben sind...Über die Trockenhefe mag man als Purist streiten, allerdings macht sie beim Landleben ohne Geschäft in der Nähe absolut Sinn. 
Gegenüber manch anderen veganen Kochbüchern ist die Verwendung von Soja als Zutat bei Lisas Rezepten relativ wenig vertreten.
Bilder und Kommentare zu nachgekochten Rezepten folgen später…es gibt viele, die spontan zum Ausprobieren einladen. Ob das etwas komplizierte Gericht "Sauerkraut-Pilz-Mohn-Maultaschen mit Brennesselspinat uns wohl schmecken würde? Laut Lisa lohnt sich der Aufwand - auf einen Versuch lassen wir es ankommen…
Die meisten Rezepte sind sehr gut für Koch-Anfänger geeignet. Das Buch würde ich auch Nicht-Veganern mit Freude an selbst erzeugten Gartenprodukten und Spaß an Experimenten empfehlen.


Hier geht es zur Direktbestellung bei Ulmer:
Einfache Rezepte für jeden Tag. Lisa Pfleger. 2014. 
192 S., 150 Farbfotos, geb. 
ISBN 978-3-8001-8068-4. € 19,90

und hier zu Lisas und Michaels "Experiment Selbstversorgung






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