Gartenkunst oder Wege nach Eden

Gartenkunst

Gartenkunst geht über die Nutzbarmachung von Land hinaus zur ästhetischen Gestaltung - sie ist die Verbindung von gärtnerischer Arbeit und künstlerischer Kreativität


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Sonntag, 3. Februar 2013

Rosengarten Legau - ein Garten für die Seele




Die Villa der alten Handschuhfabrik Schmidl in Legau ist gleich zu erkennen – kein anderes Haus im Ort hat eine in  leuchtendem Türkis gestrichene Fassade. Zu dem heute als “Antikhof Legau” bekannten Anwesen gehört ein um die 5000 Quadratmeter großes Grundstück, das die Besitzer im Lauf der letzten 18 Jahre in einen zauberhaften Garten verwandelt haben. Hier leben Silvia und Robert Kaube-Schramek, inzwischen ist auch die gemeinsame Tochter Genai mit ihrem Lebensgefährten hierher zurück gekehrt.  
Fünf Jahre lang suchten die Schrameks nach einem Ort,  der genügend Platz für Sylvias Atelier und Roberts Antiquitätenhandel bot. 1994 wurden sie in Legau  fündig. Zunächst mußte natürlich Villa renoviert werden, aber schon bald  wurde mit Hilfe der Waldjugend eine Hecke aus heimischen Wildsträuchern und Vogelschutzgehölzen um das Grundstück gepflanzt und so von den anschließenden landwirtschaftlich genutzen Flächen abgegrenzt. Inzwischen ist die Hecke hoch gewachsen und bietet nicht nur vielen Vögeln eine sichere Unterkunft, sondern auch einen guten Windschutz.




Oft werden Schrameks gefragt, wer ihnen diesen Garten angelegt hat, aber er ist langsam und in Eigenarbeit gewachsen.“Mit genügend Geld kann man einen Garten nach Plan anlegen lassen und bis zum Pflanzenkauf und dem Setzen alles delegieren” meint Robert Schramek, “aber wir mußten sehr darauf schauen, was finanziell machbar war”.
Aus dem Grundbedürfnis, es sich schön zu machen, wurde ein Bereich nach dem anderen “nach Gefühl” gestaltet. Angefangen hat es direkt am Haus, dann wie es Zeit und Geldbeutel erlaubten immer ein paar Meter weiter.
Silvias künstlerische Ader kommt in der Gartengestaltung zum Ausdruck, ihre Intuition, ihr Gefühl für Kunst, für Farben und Energien ist überall spürbar. Auch Roberts Antiquitätenhandel kam der Sache entgegen: viele eigentlich für den Verkauf gedachten Stücke wurden gleich in den Garten entführt. Manche Stücke dienen draußen als Anschauungsmaterial, von anderen wollen sich die Schrameks nun gar nicht mehr trennen. Die Hollywoodschaukel etwa ist inzwischen so eingewachsen, dass sie zum festen Inventar gehört.




ZAHLREICHE RAMBLERROSEN UND VIELE SKULPTUREN SCHAFFEN DIE ATMOSPHÄRE EINES “MÄRCHENGARTENS”
 - da findet man eine badende Nymphe, ein turtelndes Liebespaar, ein Blumenmädchen, Gnomen, Elfen und Zwerge. Ein Reh und ein Hase vertreten die steinerne Tierwelt, ein großer “Blumenengel” wacht über den Kräutergarten.


Karakteristisch für das parkähnliche Gelände sind neben den Sträuchern, Bäumen und Skulpturen die Mischung aus Kräutern, Blumen, einheimischen Wildpflanzen und Rosen.
Königskerzen, Lavendel, Storchschnabel, Minzen, Katzenminze, Dalmatiner Salbei, Nachtkerze, Baldrian, Ysop, Bohnenkraut, Bartnelken, Kornblumen, Sauerampfer, Fingerhut, Erdbeeren, Frauenmantel, Mohn, Johanniskraut, Knoblauch, Marghariten und  viele andere Pflanzen tummeln sich in in bunten Gesellschaften an verschiedenen Plätzen. “Wir lassen den Garten viel vorgeben, es geht nicht nach einem vorgegebenen Plan. Meist schauen wir erstmal, was wo wachsen will – was kommt wo, was ist das?” erklärt Silvia. Diese Art zu gärtnern macht natürlich mehr Arbeit, denn man kann nicht mal rasch “die Beete säubern”, sondern muss den Sämlingen Zeit geben,  bis man erkennt, was für Pflanzen sich daraus entwickeln. So entstand aus einem Haufen mit Aushub, den sich wilde Pflanzen und Sämlinge aus dem Kräutergarten schnell erobert haben, ein wie absichtlich angelegtes erhöhtes Beet, in das dann noch einige Rosen gesetzt wurden.
Die sieben Hauskatzen der Schrameks genießen diesen Garten genauso wie die kleine Heidschnucken Familie, die einen Teil der Rasenfläche kurzhält und Mist für den Garten liefert, welcher in gut abgelagerter Form im Herbst als Dünger ausgebracht wird.




Es ist nicht überall nett und aufgeräumt in diesem naturnahen Garten, eine “Herbstsäuberung” gibt es auf diesem Gelände nicht, die verwelkten Pflanzenteile bleiben über den Winter stehen. “Das schützt die Stauden und dient den Vögeln als Futter” meint Silvia, die erst im Frühjahr die Reste entfernt. Auch die alten gusseisernern Stühle mit dem Rosenmuster und der dicken rostigen Patina sind nicht jedermanns Sache – viele würden sie sicher abschleifen und lackieren wollen, aber bei Schrameks bekommen sie im Frühjahr statt dessen einen pflegenden Anstrich mit Leinöl.

DIE ROSEN SIND DIE LEITPFLANZEN
und Silvias ganze Leidenschaft: mehr als 300 Sorten hegt und pflegt sie inzwischen.


Die Liste der Sorten liest sich wie das who is who der Rosenzucht. Am wenigsten vertreten sind dabei die lang blühenden modernen Sorten, die sich hauptsächlich im “Innengarten” direkt an der Terasse versammeln. Die orange leuchtende Strauchrose “Westerland”,  die unverwüstliche “Bonica”, “Hildesheim” mit ihren kleinen lachsfarbene Blüten von Sommer bis November, die fast blaue “Rhapsodie in Blue” und einige mehr versuchen hier das Herz ihrer Gärtnerin zu gewinnen. Deren Liebe gilt aber mehr den historischen Rosensorten, den hochrankenden Ramblern und ganz besonders den anspruchsvollen, als “englische Rosen” bekannten Sorten des berühmten englischen Züchters David Austin.
Benjamin Britten, Winchester Cathedral, Brother Cadfael, Spirit of Freedom, Lichfield Angel, Crocus Rose, The Pilgrim, Young Lucides, Jubilee Celebration und die einmal blühende, ungefüllte Shropshire Lass sind “englische” Lieblinge, die Silvia spontan einfallen. Und dann natürlich noch St. Swithum mit ihrem Myrrheduft, und die wunderschöne Sharifa Asma, und das sind noch lange nicht alle.
BEI DEN ALTEN ROSEN HAT MAN DIE GARANTIE, DASS SIE GUT WACHSEN” erklärt die Gärtnerin, bei den modernen und den englischen Rosen hat sie die Erfahrung gemacht, dass es sehr auf die einzelne Pflanze ankommt. Unter den englischen Sorten sind die am wüchsigsten, die aus direkten Kreuzungen mit alten Rosen hervorgegangen sind.


Oft würden sich die üppig wachsenden Containerrosen, die meist im Gewächshaus unter optimalen, geschützten Bedingungen heranwachsen, im Garten nicht so gut entwickeln.
Wichtig bei den anspruchsvollen Sorten sei, ihnen ein großes Pflanzloch mit der besten Erde herzurichten, damit sie gleich einen guten Start haben. Die besten Erfahrungen hat Silvia mit direkt beim Züchter bestellter so genannter “Wurzelware” gemacht.
Die historischen Rosen kann man hier nicht nur annähernd aufzählen, es sind Vertreter fast aller Rosenfamilien dabei, Rosa alba, Rosa gallica, Portlandrosen, Remontantrosen.  Der Höhepunkt im Gartenjahr ist etwa Mitte Juni, wenn die meisten der historischen Sorten von ihnen blühen einmal im Jahr sehr üppig und mit berauschenden Düften.
AM BERAUSCHENSTEN IST DER GARTEN ETWA MITTE JUNI, wenn die einmal im Jahr blühenden alten Rosen und die Rambler ihr Blütenfeuerwerk zünden.
Besondere Lieblinge der Schrameks unter den romantischen Ramblern sind Maria Lisa, Duke de Cambridge, die fast sechs Wochen lang blühende Bleu magenta und Felicitée Perpetue.
Eine gut gebändigte “Bobby James” erklimmt das Haus – ohne den regelmäßigen Rückschnitt würde es dieser Kletterkünstler unter den Rosen schaffen, die Villa in ein undurchdringliches Dornröschenschloß zu verwandeln. Schon mancher, der diese Rose in seinen Garten holte, hatte hinterher mit ihrer Wuchskraft zu kämpfen. Mit ihr kann man mühelos ganze Scheunenwände verkleiden, man sollte sie aber nicht sich selbst überlassen.
Inzwischen hat Silvia die Kunst nicht nur in den Garten getragen, sondern umgekehrt liefert dieser wieder Vorlagen für Bilder. Anstatt Gartenszenen zu malen, hält die Gärtnerin die märchenhaften Stimmungen gerade des abendlichen und nächtlichen Gartens mit einer einfachen kleinen Digitalkamera fest. Auf Leinwand gedruckt und auf Holzrahmen gezogen hat sie so surreale, zauberhafte Bilder geschaffen.
2010 haben Schrameks entschlossen, ihren Garten im Sommer  für interessierte Besucher
zu öffnen. Nach Absprache kann der Garten von Mitte Juni bis Mitte September besucht werden, auch Gruppen von Gartenbau- und anderen Vereinen sind mit rechtzeitiger Anmeldung gern willkommen. Eintritt verlangen die Schrameks bisher nicht, “aber Spenden sind erlaubt” meint Robert Schramek schmunzelnd. 





PFLEGETIPPS FÜR´S ROSENGLÜCK
Als wichtigste Pflegemaßnahme sieht Silvia das Mulchen an. Das Bedecken des offenen Bodens um die Rosen mit Grasschnitt hält die Feuchtigkeit im Boden, die Bodenstruktur krümelig und durchlässig, liefert Nahrung für das Bodenleben und wird zu düngendem Kompost abgebaut. Mit jedem Rasenmähen werden wieder einige Rosen versorgt, so weit der Rasenschnitt eben reicht. Bis die Reihe wieder die erste Fläche kommt, dauert es etwa vier Wochen, bis dahin ist der Mulch vom letzten Mal schon fast verschwunden. Etwa fünf bis sieben Zentimeter hoch wird die Schicht aufgetragen.
Im Herbst werden die meisten Rosen nur mit gemähten ( zusammengekehrten, mit dem Rasenmäher zerhäckselten) Blätter eingepackt.
Im Frühjahr, von Mitte März an, wird das Laub auf die Seite geschoben,  Dünger ausgestreut und das Laub wieder aufgebracht. Bis der Rasenschnitt wieder als Mulch zur Verfügung steht, ist das meiste schon verrottet, der Rest wird dann in der Hecke verteilt.
Gedüngt werden die mehrfach- oder dauerblühenden Sorten bis zu dreimal, zwichendurch bekommen sie noch Brenneselbrühe. Die einmal blühenden alten Rosen brauchen natürlich weniger “Futter”, sie schießen bei Überernährung auch zu sehr ins Kraut. Anfang bis Mitte der Saison gibt es eine Gabe Hornspäne für alle, ansonsten handelsüblichen Rosendünger. Ab Ende Juli wird nicht mehr gedüngt, um die Holzreife nicht zu verhindern.  
                                                                                                                                                     RAMBLER ÜBERWINTERN
Die Triebe der noch jungen Rambler und Kletterrosen werden nach Möglichkeit im Herbst auf den Boden gelegt und abgedeckt. Bei älteren Ramblern hat Silvia ihre eigenen Methode entwickelt: statt wie früher die alten Triebe im Herbst abzuschneiden und die jungen aufzubinden, was in harten Wintern oft zum völligen zurückfrieren führte, läßt sie die noch weichen jungen Triebe ganz in Ruhe. Diese senken sich nach unten und sind im Winter meist schneebedeckt und so vorm Erfrieren geschützt. Erst im Frühjahr, wenn keine harten Fröste mehr zu erwarten sind, legt sie alle Triebe fächerartig auf dem Boden, sortiert sie sorgfältig auseinander, schneidet die alten aus und bindet die Jungtriebe wieder an ihr Gerüst. “Man muss es aushalten, dass die Pflanzen im Herbst und Winter stakelig wirken” meint sie, eine für sehr ordnungsliebende Gartenbesitzer sicher schwere Übung. Aber mit dieser Methode spart man sich umständliches Einwickeln der Rosenbögen und wird mit den dichtesten Blütenranken belohnt.

“WOHER NEHMEN SIE DENN DIE ZEIT?” - HÄUFIGE FRAGEN
manche Fragen müssen die Schrameks ihren Gartenbesuchern immer wieder erklären.  Um den Beiden etwas Zeit zu sparen, beantworten wir für unsere Leser schon mal einige dieser Fragen vorab. Um das Mulchen, das Düngen und die Überwinterung ging es ja schon weiter oben im Text.




“Oft fragen mich die Leute bei Führungen, wie wir die Zeit für den Garten haben. Aber Zeit ist für alle gleich, jeder hat 24 Stunden am Tag - es kommt auf die Prioritäten an. Wenn man Gartenarbeit als Last sieht, geht es nicht” sagt Robert Schramek, der seine Freizeit inzwischen auch lieber im Garten werkelnd verbringt, als sich anderswo Entspannung zu suchen. Wenn man ihn so mit der Schubkarre durchs Gelände ziehen sieht, wirkt er nicht wie der ausgebildete Jugend- und Heimerzieher, der schon mit einer Gruppe lernbehinderter Jugendlicher aus dem Ursberg an den Specialolympics in den USA teilgenommen hat.
WAS MACHEN SIE GEGEN BLÄTTLÄUSE?“
„Blattläuse sind der gedeckte Tisch für Vögel, Marienkäfer und ander Tiere. Wo sie überhand nehmen, schütteln oder streifen wir sie ab“ erklärt Silvia, die dabei dann auch vom faszierenden Lebenszyklus der lebend gebärenden Insekten zu erzählen weiß. Und dass Ameisen Blattläuse züchten, sei ein völliger Unsinn. Keine Frage, dass sie auch diesen staatenbildenden kleinen Tierchen ihr Auskommen im Garten gönnt.
“WIE IST ES MIT PILZERKRANKUNGEN AN DEN ROSEN?”
Gut gemulchte, gut ernährte Rosen sind weniger krankheitsanfällig als darbende Exemplare. Bei geringem Befall werden die befallenen Blätter einfach abgeschnitten. Eine praktische, weil zeitsparende Erfindung ist dafür eine Spezialschere mit Klemmfunktion, die abgeschnittene Blätter und Blüten festhält. So kann man in der anderen Hand einen kleinen Korb oder Eimer halten und das Schnittgut direkt dort hineinwerfen. Vorzugsweise die englischen Rosen werden mit Schachtelhalmbrühe gespritzt, bei Mehltaubefall reicht oft schon ein Durchgang.
Zur Herstellung der Schachtelhalmbrühe wird ein Topf voll frischer Schachtelhalm mit Wasser aufgegossen, 24 Stunden stehen gelassen, aufgekocht und zum Spritzen im Verhältnis eins zu fünf mit Wasser verdünnt. Schachtelhalmpräparate gibt es auch als Pulver oder flüssig zu kaufen.
“WAS IST REMONTIEREN?”
Als remontieren bezeichnet man die Eigenschaft, nach einer Hauptblütezeit später noch eine Nachblüte zu zeigen. Die vielgestaltige Rosenklasse der Remontantrosen ist das Bindeglied zwischen den alten und den modernen Rosen. Viele von ihnen haben noch den kräftigen, überhängenden Wuchs der alten Rosen.
“WAS IST DER UNTERSCHIED ZWISCHEN RAMBLERN UND KLETTERROSEN?”
Ramblerrosen, auch als Schlingrosen bezeichnet, sind eine sehr wuchskräftige Rosegruppe, die mit vielen weichen, langen Trieben aus der Basis heraus wachsen. Was man bei anderen Rosen als Wildtriebe ausschneiden würde, ist bei den Ramblern die Basis für die Blütenpracht der nächsten Saison. Sie brauchen viel Platz, um sich auszudehnen, und klettern gern an Bäumen und in lockeren Sträuchern.
“WIE SCHNEIDEN SIE IHRE ROSEN?” Die Fragen um den Rosenschnitt sind am besten durch die Praxis zu erklären. Bei Interesse kann man je nach Jahreszeit einen Termin für eine “Schnittführung” vereinbaren.





Dieser Artikel ist im Sommerheft 2011 von "Die Allgäuerin" unter dem Titel "Ein Garten für die Seele" erschienen.
Der Garten ist inzwischen Geschichte - auf dem Gelände baut Rapunzel ein neues Firmengebäude. Meine liebe Gartenfreundin Silvia ist Anfang 2020 gestorben.
RIP Gartenfee! 
 

















Donnerstag, 13. September 2012

Die Farbe Blau in der Gartengestaltung

An weißen Beeten, weißen Gärten versuchen sich viele. Aber wie wäre es mit einem blauen Garten, einem blauen Beet? Wenigstens an einer Seite, oder ganz am Ende des Gartens?


„Es ist um die blaue Farbe in Natur-, Kunst- und Gartenblumenreichen eine wundersame Sache. Die ganze schöne Erdenwelt mit Himmel und Meer, Bergferne und Gewässer ist zumeist in Blau getaucht, soweit sich nicht in den kühleren Zonen Nebel und Gewölke zur Wehr setzten, um das große Wechselspiel von Dur und Moll zu treiben“ 
so schrieb Karl Foerster unter der Überschrift „Blau in Welt und Garten“, und so fängt auch das neu aufgelegte Buch „Blauer Schatz der Gärten“ an.

Vergissmeinnicht und Männertreu bezeugen die Verbindung von Blau mit Treue, Freundschaft und Hoffnung. 
Die "Blauverschiebung" ist jedem künstlerisch interessierten Menschen ein Begriff - je weiter man in die Ferne sieht, desto mehr Blautöne bestimmen das Bild. Diesen Effekt kann man nicht nur auf Landschaftsbildern genauer studieren, man kann ihn besonders in kleinen Gärten gezielt einsetzten, um sie größer erscheinen zu lassen. Pflanzungen, die mit dunklen Blautönen beginnen und mit zunehmendem Abstand heller werden, machen den  Gartenraum weiter. Kein Wunder, dass Blau mit Ferne, Weite und Sehnsucht (Fernweh...) verbunden wird.
Noch einen schönen Effekt hat die Farbe Blau im Garten: an heißen Sommertagen wirkt allein ihr Anblick kühlend und erfrischend.


Blauer Rittersporn hat eine kühlende Wirkung an an heißen Sommertagen

Blautöne im Garten sind die ganze Vegetationsperiode über leicht einzusetzen
tiefblaue Krokusse, Schneeglanz (z.B.Chinodoxia forbesii 'Blue Giant'), Traubenhyazinthen (Muscari), Blausternchen (Scilla Sierica), Puschkinien (Puschkinia scilloides) und Veilchen können im Frühjahr dichte blaue Teppiche bilden. Bald nachdem sie verblüht sind,  treiben die Hasenglöckchen oder "Bluebells" (Hyacinthoides hispanica) ihre Blütenschäfte über die dichten Blätterbüschel und die Akelei zaubern Romantik in halbschattige Bereiche. Zwerg- , Wiesen- und Bartiris sowie Storchschnabel-Sorten (z.B. Geranium 'Johnson's Blue') übernehmen nahtlos das blaue Zepter. 
Ein klares Himmelblau hat im Mai auch der Rhododendron zu bieten (Rhododendron augustinii 'Aquamarin'). In sauren Böden können auch einige Hortensiensorten in klare Blautönen blühen.


phantastische Farbkombination: Iris barbata 'Night Edition'

Blaue Anemonen und Vergissmeinnicht in den Gärten von Schloss Trauttmannsdorf, Meran

Blaue Tellerhortensie 

Silbriges Kaukasusvergissmeinnicht, Brunnera macrophylla 'Jack Frost'


Der Sommer ist die Zeit der blauen Prachtblüten - Lavendel, Rittersporn, Kornblume, Clematis, Blauregen, Glockenblumen, Eisenhut, Dreimasterblume, Lupine, Ziersalbei, Ehrenpreis und viele andere lassen den "Blauen Garten" erstrahlen. Nicht alle Sorten, die "Blau" in ihrem Namen führen, sind wirklich klar blau. Viele Töne spielen eher ins mauve oder blauviolett.


blaue Dreimasterblume (Tradescantia x andersoniana)

Geranium Pratense-Hybride 'Orion'



Allzu eng sollte man es mit dem 'blauen Garten' lieber nicht sehen. 
Die geniale Gartengestalterin Gertrude Jekyll schreibt dazu:
„Es ist seltsam, dass Menschen manchmal allein eines Wortes wegen ein Gartenprojekt verderben. Ein Blauer Garten beispielsweise vermag, um richtig zu wirken, nach einer Gruppe weißer Lilien verlangen, oder nach zartestem Zitronengelb, und doch sind diese verboten, weil es der ‚Blaue Garten’ ist. Gewiss sollte der blaue Garten nicht nur blau, sondern auch schön sein. Meiner Ansicht nach sollte er in erster Linie schön sein, in zweiter dann so blau, wie es sich mit seiner Schönheit vereinbaren lässt. Jeder erfahrene Kolorist weiß, dass blaue Töne aussagekräftiger sind – blauer – wenn die rechte Komplementärfarbe dagegen gesetzt wird“
(aus: "Pflanzenbilder aus meinen Gärten", erschienen bei Ulmer, leider zur Zeit nur antiquarisch erhältlich)


Christopher Lloyd empfiehlt in "Faszination Farbe im Garten" (Callwey Verlag) die Kombination von tiefblauem Agapanthus mit Montbretien in der Komplementärfarbe orange, eine Zusammenstellung, die man leicht auf der Terrasse oder dem Balkon mit Kübelpflanzen umsetzen kann. 


Geranium Pratense-Hybride 'Orion' im Gegenlicht vor gelbgrün

Kornblumenmischung in den Farbtönen rosa, pink, kornblumenblau und purpur

Im Herbst gehen die blauen Töne im Garten dann langsam aus, viele Gärtner mögen in dieser Zeit allerdings eh lieber warme Farben, die emotional besser zur herbstlichen Stimmung passen. Das schönste Blau des Herbstes findet sich wohl noch bei einigen Sorten der Astern, wie der hellblauen Aster novi-belgii 'Marie Maillard', der reinblauen Aster cordifolius 'Little Carlow' oder der von Karl Foerster selektierten dunkelblauen Aster novi-belgii 'Dauerblau'.

"Ohne Astern, diesem brausenden Anziehungspunkt für Menschen und Insekten, ist der Herbst in einem der wichtigsten Punkte sang- und klanglos. Sie verklären den Mollklang des Herbstes." (Karl Foerster)

Hellblaue Herbstaster, Sorte leider unbekannt


Zwei Bücher aus dem Verlag Ulmer befassen sich intensiv mit dem Thema blaue Pflanzen:
zum einen das oben schon erwähnte Werk "Blauer Schatz der Gärten" von Karl Foerster, das  1953 zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Die neueste Auflage beinhaltet zusätztliche Aufsätze von anderen Autoren und viele Fotos. Der Band empfiehlt sich einerseits als das wohl ausführlichste Fachbuch für den praktischen Gebrauch, gleichermaßen aber als Lektüre für lange Winterabende für Blumen- und Gartenliebhaber "auf Entzug". Das zweite, ebenso empfehlenswerte Buch zum Blauen Garten ist der Taschenatlas "Blaue Pflanzen für den Garten" von Helga Urban (ebenfalls Verlag Ulmer). Hier werden mehr als 130 Pflanzen für den Garten vorgestellt, darunter auch solche mit blau(grünen) Blättern und blauen Früchten. Die Beschreibungen umfassen charakteristische Fotos und detaillierte Angaben zu Blütezeit, Standortansprüchen, Verwendung, Wirkung und passenden Kombinationen. Durch das praktische Kleinformat der ideale Begleiter beim Pflanzenkauf! 
(Ein Klick auf die Bilder führt zum Amazon-Link)
 




Auf ein weiteres Angebot möchte ich noch hinweisen: Bei "durchgeblueht.de" wird die Dresdener Staudenmischung "Magic Blue" angeboten, eine "uni-colour Staudenkomposition" vom Hellblau des Rittersporns bis zum Dunkelblau des Steppensalbeis. Die Mischung beinhaltet 28 Arten für einen Standort in voller Sonne mit Wuchshöhen von 50-100 Zentimetern, geeignet für mittelschwere bis leichte Gartenböden und eine Fläche ab 12 Quadratmetern. Empfohlen wird sie für großzügige Privatgärten und attraktive Grünflächen in der Stadt (Härtezone 5-6). Ganz im Sinne von Gertrude Jekyll sind jahreszeitabhängig ein bis zwei "Fehlfarben" eingebunden. Ausprobiert habe ich diese Mischung noch nicht, der Katalog ist jedoch sehr informativ (über service@durchgeblueht.de) Hier geht´s direkt zur "Magic Blue" Staudenmischung

Nachtrag am 9.11.2012: Gerade habe ich noch einen interessanten Artikel über Blau und Pflanzen im Netz gefunden: http://agrar-cockpit.de/garten/blau-machen-pflanzenvielfalt-der-lieblingsfarbe/
Übrigens: Blau ist nicht nur die Lieblingsfarbe der Deutschen, dieser Eintrag ist auch der bisher beliebteste Beitrag bei "Gartenkunst oder Wege nach Eden"!


Samstag, 1. September 2012

Die Gärten im Park von Schloss Benrath




"Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten"

das Zitat des indischen Philosophen Rabindranath Tagore ist das Motto des Museums für Europäische Gartenkunst


Ende Oktober 2007 besuchte ich zum ersten Mal das "Museum für Europäische Gartenkunst" im Ostflügel des Benrather Schlosses in Düsseldorf-Benrath. Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, den Park von Schloss Benrath an einem strahlend schönen Sommertag zu besuchen. Nicht die optimale Zeit zum fotografieren, aber am Nachmittag wollte ich noch den  nur wenige Kilometer entfernten Garten von Peter Janke in Hilden ansehen.




Das Schloss und der Park Benrath wurden 1755 vom Kurfürsten Carl-Theodor von der Pfalz in Auftrag gegeben. 1756 begann der Architekt Nicolas de Pigage mit dem Neubau des barocken  Gartenschlosses. Schloss Benrath ist keine Residenz - der Kurfürst residierte in Mannheim - sondern ein "Maison de Plaisance", ein Lustschloss in dem man sich zu Erholung und Vergnügen aufhielt. Der Park erstreckt sich über mehr als 600.000 Quadratmeter, den größten Anteil hat der "Lust- und Jagdgarten" mit seinem hohen Baumbestand. Anläßlich der EUREGA 2002 plus wurde der Park und die darin gelegenen Gärten umfassend restauriert.


Durchgang zwischen Ostflügel und Hauptgebäude



Der Spiegelweiher im Park von Schloss Benrath

Der 470 Meter lange "Spiegelweiher" liegt hinter dem Hauptgebäude des Schlosses. Die Reflektion des Wassers bringt mehr Licht in die Räume. Früher war der Spiegelweiher von einer zweifachen Lindenallee gesäumt. Das Blumenbeet im Vordergrund markiert den Platz, an dem sich früher die "Bartschüssel", das einleitende Wasserbecken, befand.

Das Blumenbeet als Hintergrund für eine Fotosession



Blick nach Westen
Blick zum Nordflügel des alten Schlosses

Der älteste Teil der Anlage ist der erhaltene Nordflügel des "alten Schlosses". Vor dem Nordflügel liegt der vom Landesbaumeister  Giovanno Lollio im 17. Jahrhundert entworfene Parterre-Garten, der 1662 vom Gartenmeister Laurent bepflanzt wurde. Nicolas de Pigage integrierte diesen alten Gartenteil in die Achsen des neuen Parks.

Der Nordflügel und die Hecke vor dem Parterre-Garten

Der Parterre-Garten wurde im 20. Jahrhundert noch zeitweise als Baumschulquartier genutzt, dann aber in eine einfach zu pflegende Rasenfläche verwandelt. Vor der Restaurierung wurde der ursprüngliche Grundriss durch Infrarot-Luftbilder sichtbar gemacht. Anhand erhaltener Pläne und alter Ansichten wurde der verlorene Garten mit seinen umgebenden Hainbuchenhecken, den Buchseinfassungen und den Kübelpflanzen restauriert. Außer der Pflanzung von Tulpen war kein historischer Pflanzplan mehr vorhanden, so wurde ein modernes Pflanzkonzept mit Rosen, Stauden, Dahlien, Tulpen, Stiefmütterchen und einjährigen Sommerblumen entwickelt.






Sommerblumen im Parterre-Garten von Schloss Benrath





Der Küchengarten wurde 1760 angelegt. Hohe Mauern und massive Tore hielten nicht nur eventuelle Gemüsediebe ab, sondern schützen die Kulturen auch vor Wind und sorgten als Wärmespeicher für ein günstiges Kleinklima. Der Küchengarten liegt direkt an dem Gutshof, von dem aus die zum Schloss gehörende Domäne bewirtschaftet wurde. 1773 wurde das Wohnhaus errichtet, in dem als erster der Schlossverwalter Louis de Pigage wohnte, der Bruder des Architekten. Der letzte Pächter des Gutshofes bewirtschaftete diesen Garten bis in die 1950er Jahre. Danach verfiel die Anlage, bis sie 2002 restauriert wurde. Das Schöpfbecken wurde wieder hergestellt, die Mauern ausgebessert und wieder mit Spalieren ausgestattet. Nach Grabungen und alten Plänen wurden die Wege wieder hergestellt und die Buchsbaumeinfassungen wieder hergestellt. Die Bepflanzung mit Blumen war typisch für den früheren Küchengarten, jedoch gibt es auch hier keine erhaltenen Aufzeichnungen über die damals in diesem  Garten verwendeten Arten. Die Bänke gab es früher auch nicht, heute freuen sich die Besucher über diese Möglichkeit zur Rast. Bewirtschaftet wird der Küchengarten von der "Werkstatt für angepasste Arbeit" deren Mitarbeiter hier 40 verschiedene Arten von Gemüse, Salaten und Kräutern in biologischem Anbau ziehen.  Donnerstags von 10.00 -12.00 Uhr gibt es hier die Möglichkeit die Gartenprodukte einzukaufen. 












Besser hätte ich einen ganzen Tag in diesem Park eingeplant, zur Besichtigung der ganzen Anlage war nun keine Zeit mehr. Will man auch das Museum für Europäische Gartenkunst besuchen, sollte man sich eh insgesamt einen Tag Zeit nehmen. Der Park ist durchgehend geöffnet, das Museum von Dienstag bis Sonntag von 11.00 -17.00 Uhr. Im Schlosscafé am östlichen Torhaus lässt es sich stilvoll  Pause machen. Das Schlosscafé ist vom 1.4. bis zum 31.10. von Montag bis Sonntag zwischen 9.30 bis 20.00 Uhr geöffnet, in der übrigen Zeit von Dienstag bis Sonntag zwischen 10.00 und 19.00 Uhr (Öffnungszeiten mit Vorbehalt - verifizieren unter:




Rückweg zum Hauptgebäude

Die Skulpturen unterhalb des Haupgebäudes blicken zum Spiegelweiher

Im Privatgarten des Kurfürsten an der Westseite

Der Ostflügel vom Westflügel aus gesehen

ein letzer Blick auf Schloss Benrath

Plan von Schloß und Park Benrath von 1806 

Einen Plan mit näheren Erklärungen zu den einzelnen Elementen des Parks gibt es auf der Webseite von Schloss Benrath unter diesem Link: -->

mehr zur Geschichte des Schlosses und besonders zum "Alten Schloss" bei Wikipedia: 

Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise: 
http://www.schloss-benrath.de/portal_stiftung/besucherservice.asp

Gestern Abend fand ich im Internet noch ein paar interessante Luftbilder der Anlage. Der Fotograf und Pilot Matt Wegener ("http://mattw.de/cessna/") war so freundlich, sie mir für diesen Blogeintrag zur Verfügung zu stellen. Et voilà - Schloss und Park Benrath von oben: 









Die Fotografin Sibylle Pietrek hat den Park im Winter fotografiert - wie man sieht, auch zu dieser Jahreszeit ein lohnendes Ziel! 



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