Gartenkunst oder Wege nach Eden

Gartenkunst

Gartenkunst geht über die Nutzbarmachung von Land hinaus zur ästhetischen Gestaltung - sie ist die Verbindung von gärtnerischer Arbeit und künstlerischer Kreativität


Samstag, 1. September 2012

Die Gärten im Park von Schloss Benrath




"Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten"

das Zitat des indischen Philosophen Rabindranath Tagore ist das Motto des Museums für Europäische Gartenkunst


Ende Oktober 2007 besuchte ich zum ersten Mal das "Museum für Europäische Gartenkunst" im Ostflügel des Benrather Schlosses in Düsseldorf-Benrath. Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, den Park von Schloss Benrath an einem strahlend schönen Sommertag zu besuchen. Nicht die optimale Zeit zum fotografieren, aber am Nachmittag wollte ich noch den  nur wenige Kilometer entfernten Garten von Peter Janke in Hilden ansehen.




Das Schloss und der Park Benrath wurden 1755 vom Kurfürsten Carl-Theodor von der Pfalz in Auftrag gegeben. 1756 begann der Architekt Nicolas de Pigage mit dem Neubau des barocken  Gartenschlosses. Schloss Benrath ist keine Residenz - der Kurfürst residierte in Mannheim - sondern ein "Maison de Plaisance", ein Lustschloss in dem man sich zu Erholung und Vergnügen aufhielt. Der Park erstreckt sich über mehr als 600.000 Quadratmeter, den größten Anteil hat der "Lust- und Jagdgarten" mit seinem hohen Baumbestand. Anläßlich der EUREGA 2002 plus wurde der Park und die darin gelegenen Gärten umfassend restauriert.


Durchgang zwischen Ostflügel und Hauptgebäude



Der Spiegelweiher im Park von Schloss Benrath

Der 470 Meter lange "Spiegelweiher" liegt hinter dem Hauptgebäude des Schlosses. Die Reflektion des Wassers bringt mehr Licht in die Räume. Früher war der Spiegelweiher von einer zweifachen Lindenallee gesäumt. Das Blumenbeet im Vordergrund markiert den Platz, an dem sich früher die "Bartschüssel", das einleitende Wasserbecken, befand.

Das Blumenbeet als Hintergrund für eine Fotosession



Blick nach Westen
Blick zum Nordflügel des alten Schlosses

Der älteste Teil der Anlage ist der erhaltene Nordflügel des "alten Schlosses". Vor dem Nordflügel liegt der vom Landesbaumeister  Giovanno Lollio im 17. Jahrhundert entworfene Parterre-Garten, der 1662 vom Gartenmeister Laurent bepflanzt wurde. Nicolas de Pigage integrierte diesen alten Gartenteil in die Achsen des neuen Parks.

Der Nordflügel und die Hecke vor dem Parterre-Garten

Der Parterre-Garten wurde im 20. Jahrhundert noch zeitweise als Baumschulquartier genutzt, dann aber in eine einfach zu pflegende Rasenfläche verwandelt. Vor der Restaurierung wurde der ursprüngliche Grundriss durch Infrarot-Luftbilder sichtbar gemacht. Anhand erhaltener Pläne und alter Ansichten wurde der verlorene Garten mit seinen umgebenden Hainbuchenhecken, den Buchseinfassungen und den Kübelpflanzen restauriert. Außer der Pflanzung von Tulpen war kein historischer Pflanzplan mehr vorhanden, so wurde ein modernes Pflanzkonzept mit Rosen, Stauden, Dahlien, Tulpen, Stiefmütterchen und einjährigen Sommerblumen entwickelt.






Sommerblumen im Parterre-Garten von Schloss Benrath





Der Küchengarten wurde 1760 angelegt. Hohe Mauern und massive Tore hielten nicht nur eventuelle Gemüsediebe ab, sondern schützen die Kulturen auch vor Wind und sorgten als Wärmespeicher für ein günstiges Kleinklima. Der Küchengarten liegt direkt an dem Gutshof, von dem aus die zum Schloss gehörende Domäne bewirtschaftet wurde. 1773 wurde das Wohnhaus errichtet, in dem als erster der Schlossverwalter Louis de Pigage wohnte, der Bruder des Architekten. Der letzte Pächter des Gutshofes bewirtschaftete diesen Garten bis in die 1950er Jahre. Danach verfiel die Anlage, bis sie 2002 restauriert wurde. Das Schöpfbecken wurde wieder hergestellt, die Mauern ausgebessert und wieder mit Spalieren ausgestattet. Nach Grabungen und alten Plänen wurden die Wege wieder hergestellt und die Buchsbaumeinfassungen wieder hergestellt. Die Bepflanzung mit Blumen war typisch für den früheren Küchengarten, jedoch gibt es auch hier keine erhaltenen Aufzeichnungen über die damals in diesem  Garten verwendeten Arten. Die Bänke gab es früher auch nicht, heute freuen sich die Besucher über diese Möglichkeit zur Rast. Bewirtschaftet wird der Küchengarten von der "Werkstatt für angepasste Arbeit" deren Mitarbeiter hier 40 verschiedene Arten von Gemüse, Salaten und Kräutern in biologischem Anbau ziehen.  Donnerstags von 10.00 -12.00 Uhr gibt es hier die Möglichkeit die Gartenprodukte einzukaufen. 












Besser hätte ich einen ganzen Tag in diesem Park eingeplant, zur Besichtigung der ganzen Anlage war nun keine Zeit mehr. Will man auch das Museum für Europäische Gartenkunst besuchen, sollte man sich eh insgesamt einen Tag Zeit nehmen. Der Park ist durchgehend geöffnet, das Museum von Dienstag bis Sonntag von 11.00 -17.00 Uhr. Im Schlosscafé am östlichen Torhaus lässt es sich stilvoll  Pause machen. Das Schlosscafé ist vom 1.4. bis zum 31.10. von Montag bis Sonntag zwischen 9.30 bis 20.00 Uhr geöffnet, in der übrigen Zeit von Dienstag bis Sonntag zwischen 10.00 und 19.00 Uhr (Öffnungszeiten mit Vorbehalt - verifizieren unter:




Rückweg zum Hauptgebäude

Die Skulpturen unterhalb des Haupgebäudes blicken zum Spiegelweiher

Im Privatgarten des Kurfürsten an der Westseite

Der Ostflügel vom Westflügel aus gesehen

ein letzer Blick auf Schloss Benrath

Plan von Schloß und Park Benrath von 1806 

Einen Plan mit näheren Erklärungen zu den einzelnen Elementen des Parks gibt es auf der Webseite von Schloss Benrath unter diesem Link: -->

mehr zur Geschichte des Schlosses und besonders zum "Alten Schloss" bei Wikipedia: 

Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise: 
http://www.schloss-benrath.de/portal_stiftung/besucherservice.asp

Gestern Abend fand ich im Internet noch ein paar interessante Luftbilder der Anlage. Der Fotograf und Pilot Matt Wegener ("http://mattw.de/cessna/") war so freundlich, sie mir für diesen Blogeintrag zur Verfügung zu stellen. Et voilà - Schloss und Park Benrath von oben: 









Die Fotografin Sibylle Pietrek hat den Park im Winter fotografiert - wie man sieht, auch zu dieser Jahreszeit ein lohnendes Ziel! 



Sonntag, 19. August 2012

Die Gärten am Hohen Schloss in Grönenbach

"Der Garten ist ein anderer Himmel mit Sternen aus Blumen"
(Persisches Sprichwort)

Der Kreislehrgarten in Grönenbach 


Zwischen Memmingen und Kempten, nur wenige Kilometer von der Autobahnabfahrt Grönenbach, gibt es ein lohnenswertes und noch viel zu wenig bekanntes Gartenziel. Am "Hohen Schloss", das auf einem exponierten Nagelfluhfelsen emporragt, liegen der Kreislehrgarten Unterallgäu und der neu angelegte  Kneippkräutergarten. Auf der anderen Seite des Schlosses ist das Gelände terrassiert und zum Teil mit Weinstöcken bepflanzt. Außerdem befinden sich auf dem weitläufigen Gelände noch ein Bienenhaus und einige "lebende Lauben" aus verschiedenen Baumarten. 


Das Herzstück des Kreislehrgartens ist der Gemüsegarten. Er ist an verschiedene Privatpersonen verpachtet, die dort ihr Gemüse anbauen. Für die Gärtner ist die öffentliche Situation nicht immer glücklich, denn leider verschwindet das reife Gemüse häufig über Nacht.

Kreislehrgarten am Hohen Schloss Grönenbach - der Gemüsegarten im Juli 

Im allgemeinen Bereich gibt es verschiedene Sorten von Beeren und anderen Sträuchern, Rosen, einen kleinen Alpingarten und Pflanzungen verschiedener Stauden. Letztere wechselt von Zeit zu Zeit, wo vor einigen Jahren noch viele Sorten Taglilien wuchsen, sind jetzt Päonien mit dem Schwerpunkt Strauchpäonien aufgepflanzt.

Rosenbogen unterhalb der Terrassen 

Der Besuch lohnt sich fast zu jeder Jahreszeit - vom Kreislehrgarten aus hat man einen beeindruckenden Blick auf den Ort und die umliegende Landschaft. Die Vegetation ist natürlich von Mai bis Oktober am schönsten! Etliche Bänke und Tische laden zu einem Picknick auf dem Gelände ein, das im Wesentlichen sehr gut begehbar und bis auf die Terrassen auch rollstuhltauglich ist.

  
 
Staudenpflanzungen Ende September


Stockrosen am Nebengebäude 

Weidenröschen im Abendlicht

                                                                       
Öffnungszeiten:jederzeit zugänglich und ganzjährig geöffnet

Adresse: 
Papenheimer Str. 2
87730 Bad Grönenbach

Kontakt: Kurverwaltung Bad Grönenbach
Marktplatz 5
87730 Bad Grönenbach
Tel.: 08334/60531
Fax: 08334/6133

http://www.landratsamt-unterallgaeu.de/buergerservice/natur-und-umwelt/gartenkultur/kreislehrgarten.html

Mittwoch, 15. August 2012

"GartenArt", das Kundenmagazin der Gärtner von Eden

Die "Gärtner von Eden" sind mir seit Jahren über die leider eingestellte Zeitschrift "Eden - Das Magazin zur Gartengestaltung" bekannt. Mir hat das "Eden" besonders in den ersten Jahren sehr gut gefallen. Nach dem großen Relaunch, der das Heft populärer machen sollte, war es mir persönlich zu unspezifisch und etwa zu flach geworden.

Im September 2011 brachte die Genossenschaft der Gärtner von Eden das erste Heft der "GartenArt" heraus, ein eigenes Kundenmagazin.
Unter "Kundenmagazin" versteht der Kunde normalerweise eine Art kostenlose Werbebroschüre, bei Gartenthemen mit jahreszeitlichem Bezug und aktuellen Angeboten. Bei diesem Heft sieht das etwas anders aus: "GartenArt" ist eine Zeitschrift zum Thema Gartengestaltung, die zweimal im Jahr erscheint und sieben Euro bzw. acht Schweizer Franken kostet.
Dafür bietet sie Themen, die im direkten oder weiteren Sinne von Gartengestaltung handeln. Das Heft 1/12 habe ich mir schicken lassen um es hier vorzustellen.

 Nah dran und sehr interessant fand ich den Artikel "Die Gärten des Aga Khan". Hier geht es nicht um private Luxusgärten, sondern um grüne Oasen in Kabul, Kairo, Delhi und anderen Orten, die der Bevölkerung zur Verfügung stehen. In Kairo zum Beispiel ließ Karim Aga Khan den riesigen, über fünfhundert Jahre lang gewachsenen Müllberg abtragen und auf den 32 Hektar Fläche im Herzen der Stadt einen Park errichten. Vor dem Bau des "Al Azhar Parks" war die Grünfläche in Kairo pro Person gerade mal so groß wie ein Fußabdruck.
In dem Artikel "Geht´s nicht, gibt´s nicht" beschreiben einige der Gärtner von Eden besonders ausgefallene Wünsche ihrer Kunden - zum Beispiel eine Rennstrecke für Bobby-Cars, ein "Skywalk-Garten" im Ruhrgebiet, ein nach astronomischen Aspekten gestalteter Garten für einen Physikprofessor, der sich intensiv mit kosmischer Zeitmessung beschäftigt. "Wie Stonehenge, nur ohne Hinkelsteine" bringt Gartendesigner Joerma Biernath letzteres Konzept auf den Punkt.
Spannend auch das Projekt der Brüder Kühn: sie führen Deutschlands einziges Baumarchiv.
Der Generationengarten, die Herausforderung der Gestaltung kleiner Gärten, der Wert eines Gartens sind weitere Themen. Etwas "weiter weg" aber sehr passend fand ich den Beitrag von Dr. Volkmar Kramarz über die Bedeutung des Gartens in Liedern. Unter der Rubrik "Geniessen" ging es um Olivenöl, das kam mir überflüssig vor - kein Bezug zum Gärtnern, und ein allzu verbreitetes Thema.
Auf den ersten Blick wirkt das Heft sehr schmal, würde man die sonst übliche Werbung dazu rechnen, käme es wohl auf den doppelten Umfang. Explizite Werbung gibt es nur auf der Rückseite des Covers vorn und auf dem hinteren Cover beidseitig. Man könnte die vier Seiten "Stil und Design" zur Werbung zählen, hier werden aber ausgesuchte Produkte in schönem Design vorgestellt - durchaus eine Bereicherung. Die eigentliche Werbung ist der Inhalt des Heftes  - Themen um gute Gartengestaltung, vorgestellt von Profis mit Qualitätsanspruch.
Die Bestellung eines Einzelheftes zum Kennenlernen ist möglich, man muss nicht gleich abonnieren.
Mir gefällt´s!

Hier geht es zu GartenArt:

Samstag, 11. August 2012

Kräutergärten im Allgäu: Amonia - Garten der Räucherkräuter in Legau

 Ein Garten für Kunst & Kräuter


In der Nähe von Legau im Allgäu haben die Künstler Sabeth und Peter Ebenhoch mit viel Kreativität einen außergewöhnlichen Garten angelegt. Das etwa einen Hektar große Grundstück um Sabeths Elternhaus bietet Ausstellungsfläche für Skulpturen, Platz für einen Kräutergarten zum Anbau heimischer Räucherkräuter und Rückzugsorte für die Familie.







                                 In diesem Garten geht es an manchen Stellen sehr bunt zu






hier geht es zur Webseite des Räucherkräutergartens, den man nach Absprache besuchen kann: http://www.amonia-kraeuter.de
Aus den Kräutern hergestellte Produkte kann man auch bestellen:


Montag, 6. August 2012

Gartenkunst ist mein Lebenselixier


„Auch wenn die berühmten und stilbildenden Gärten oft durch großen Reichtum möglich wurden, sind Gärten nicht etwas für die Privilegierten dieser Welt. Ob Schrebergarten, Landschaftspark, Friedhof oder Stadtpark – kleine Gärten durchwirken die gebaute Landschaft und sind für uns alle ein existentieller Teil des Lebens. Berührt von den Farben und Düften der Blumen, Büschen und Bäumen verlassen wir einen Garten immer gestärkt und mit erfrischtem Sinn für das Wesentliche.“
Zitat von Nadine Olonetzky, aus dem Vorwort zu „Sensationen – eine Zeitreise durch die Gartengeschichte“

Ein neues Blog mit einem Zitat anfangen? Nicht gerade originell - aber es trifft genau das, was ich schreiben wollte. Und besser kann ich es auch nicht...schön, dass jemand dieses Gefühl der Stärkung durch den Aufenthalt in einem Garten so kurz und gut beschreiben kann!
Was nun zuerst da war - der irdische "Gan Eden" oder die Vorstellung des Paradiesgartens in der Religion - fragt man sich angesichts der Gartengeschichte...zumindest ist die Sehnsucht nach diesem Garten wohl schon fast so alt wie die Menschheit.
In dem Blog "Gartenkunst oder Wege nach Eden" geht es  um das Themenfeld Gartenkunst und Gartenkultur. Nicht um einzelne Pflanzen, nicht um das Gärtnern im praktischen Sinne - aber unter anderem darum, was es mit uns macht.
Die Fotos unten entstanden in den Gärten von Schloß Trautmannsdorf, einem
traumhaft schönen Stück Eden...










































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